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    27.1.2023AQ 1890
    »Du musst nicht auf meine Gefühle achten, weil ich selbst auf sie achte.«
    0:006:33
    Du musst nicht auf meine Gefühle achten, weil ich selbst auf sie achte. Auf die Gefühle der anderen zu achten und sie nicht zu verletzen, ist ein hoffnungsloser Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist. Es ist nämlich ein Umweg. Es geht viel einfacher: Jeder achtet auf seine Gefühle, nicht auf die Gefühle des anderen, dann muss er auch nicht interpretieren, was den anderen erfreuen oder verletzen könnte. Jeder ist einfach so, wie er ist, und schaut, wie das ankommt. Und wenn das jeder macht, dann passiert etwas Erstaunliches. Dann merkt jeder für sich, wann seine Gefühle tatsächlich verletzt sind und kann auch entsprechend reagieren. Er muss seine Gefühle nicht mehr übergehen, er muss nicht mehr so tun, als wäre nichts passiert, denn er achtet ja jetzt nicht auf die Gefühle des anderen, sondern auf seine eigenen. Würde er auf die Gefühle des anderen achten, müsste er ja aufpassen, was er jetzt sagt. Er könnte ja nicht einfach sagen: »Du hast mich verletzt. Das tut weh!«, denn er will sich ja um die Gefühle des anderen kümmern und er will ja nicht, dass es ihm schlecht geht. Also kann er sowas nicht sagen. Er muss sich zurückhalten, eine Maske aufsetzen und so tun, als wäre nichts passiert oder als wäre es nicht so schlimm. Er darf auch nicht aufstehen und gehen, denn auch das könnte ja die Gefühle des anderen verletzen. Selbst wenn du es nicht so extrem erlebt hast oder wenn du glaubst, dass es nicht so extrem ist, das, was ich gerade beschrieben habe, ist der Mechanismus dahinter, der wirkt. Sobald du dich um deine eigenen Gefühle kümmerst, indem du sie fühlst, muss keiner mehr aufpassen, was er sagt. Das bedeutet natürlich nicht, dass es keine Konsequenzen gibt, falls er etwas sagt, was dir nicht gefällt, aber er muss erst einmal nicht mehr auf dich aufpassen, denn du passt auf dich auf. Du kannst fühlen, wann du dich tatsächlich verletzt fühlst und wie es sich anfühlt. Und wenn du das wahrnimmst, kannst du auch entsprechend reagieren. Solange wir uns um die Gefühle der anderen kümmern, können wir unsere eigenen nicht wahrnehmen und deshalb ist das, wie wir es bisher machen, ein hoffnungsloses Unterfangen. Es kann niemals funktionieren. Es verschiebt die Verantwortung von mir zu dir und von dir zu mir. Dort liegt sie nicht. Sie liegt immer bei mir. Und sie liegt immer bei dir. Und nur ein vollkommen verrückter Verstand denkt jetzt: »Ja, dann kann ich mich ja aufführen, wie ich will, die ganze Zeit!« Ja, kannst du, aber das heißt nicht, dass der andere nicht reagieren darf. Er wird sogar noch viel deutlicher und viel früher reagieren als bisher, denn er wird nicht mehr verdrängen. Ja, auf die Gefühle des anderen zu achten, ist ein Verdrängungsmechanismus und das fällt keinem auf. Wir sind so sehr an den anderen orientiert, dass wir unsere eigene Aufgabe komplett vernachlässigen. Sobald wir in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen im Sinn von Osho, nämlich auf diesen Moment zu antworten (und das geht nur, wenn wir unsere Gefühle wahrnehmen), dann fügt sich alles von ganz alleine. Alle Umwege fallen in sich selbst zusammen, weil die Aufmerksamkeit jetzt dort ist, wo sie hingehört.