Die ganze Welt arbeitet mit Disziplin, aber kaum jemand mit seinem Bewusstsein. Selbst spirituelle Coaches verlangen diese Disziplin von dir. Zuckerbrot und Peitsche sind unser Trauma. Und unser Bewusstsein ist das, was darunter gelitten und sich zurückgezogen hat. Nicht einmal die Spirituellen können es sich vorstellen, dass es ohne Disziplin funktioniert. Und zwar nur deshalb nicht, weil sie es nie ausprobiert haben, weil die wenigsten erlebt haben, was passiert, wenn man nicht diszipliniert ist, wenn man Motivation nicht künstlich macht, sondern wartet und erst dann wieder etwas macht, wenn man von sich aus motiviert ist, ganz ohne Disziplin, nur aus Freude und sonst keinem anderen Grund. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass gerade die Spirituellen sich das nicht trauen. Sie wollen sich und ihren Verstand gar nicht herausfordern. Sie hätten es gerne immer kuschelig, warm, angenehm, glücklich, freundlich und sie lassen sich die Disziplin von ihrem Verstand schönreden. Das gehört halt so. Da muss man jetzt mal durch. Und das Einzige, wo du mal durch müsstest und wo du mal tatsächlich diszipliniert sein müsstest, ist keine Disziplin zu haben. Und so lange diszipliniert undiszipliniert sein, bis die Motivation von ganz alleine kommt, weil du nichts mehr machst aufgrund von sogenannten extrinsischen Gründen, also Gründen, die außerhalb von dir liegen. Aber so extrem will niemand sein, denn das bedeutet ja, dass du nicht weißt, was du die ganze Zeit machen sollst, bis es endlich soweit ist. Und auch da würdest du in der Praxis etwas vollkommen anderes erleben. Du würdest nämlich feststellen, dass du trotzdem irgendwas machst. Aber du würdest dich sehr wahrscheinlich nicht mehr prostituieren oder es würde dir zumindest auffallen. Du würdest es körperlich fühlen, sobald du es tust. Und du würdest erschrecken, wie oft das der Fall ist. Die Disziplin hat uns in die Sklaverei und in die Prostitution getrieben. Das war nicht unsere Intuition. Das war die Disziplin, die gesagt hat: »Na komm, für ein schönes Ziel in der Zukunft lohnt es sich doch ein bisschen zu leiden. Also, jetzt reiß dich mal zusammen!« Spannenderweise konnten wir beobachten, was passiert, wenn wir das kollektiv machen. Das hat vor drei Jahren angefangen. Da hat man gesagt: »Jetzt disziplinier dich mal ein bisschen! Reiß dich mal ein bisschen zusammen und bleib zwei Wochen zuhause! Zwei Wochen, um die Kurve abzuflachen. Ist doch nicht so schlimm. Jetzt stell dich nicht so an!« Disziplin, die abgeschnitten ist von unserem Gefühl, von unserer Intuition, führt minimal in die Langeweile und maximal in den Wahnsinn. In einen Wahnsinn, der vollkommen zügellos und verwirrt ist. Ein Wahnsinn, der nur noch aus Prinzip macht und nicht mehr weiß, warum er angefangen hat. Ein derartiger Wahnsinn muss in die Krise führen. Ganz einfach deshalb, weil er von alleine nicht aufhört. Er endet nur, wenn er zusammenbricht. Dort hat uns die solidarische Disziplin hingebracht. Vielen ist noch gar nicht klar, was da alles passiert ist, psychologisch und spirituell. Und andererseits bietet diese Situation eine der größten Chancen überhaupt. Wir könnten jetzt beginnen, statt mit Disziplin mit unserem Bewusstsein zu arbeiten.