Dein Denken redet dir dein Fühlen schön. Unser Verstand neigt dazu, uns unsere Gefühle schönzureden. Schlechte Gefühle findet er nicht so gut und er tut so, als wären die gar nicht da. Als hättest du nicht gefühlt oder als wäre das Gefühl gar nicht so schlimm. Es sagt ja auch keiner, dass das Gefühl schlimm wäre. Und trotzdem fühlst du zum Beispiel Ablehnung und an der will sich dein Verstand nicht orientieren. Und damit meine ich nicht die Phasen kurzfristiger Ablehnung, die jeder kennt, zum Beispiel im Streit, sondern Gefühle der Ablehnung, die öfter da sind und die auch konsistent sind und die nichts mit Streit zu tun haben. Gefühle, die dich nicht anziehen, sondern im Gegenteil abstoßen. Wenn wir diese Gefühle bei uns nahestehenden Menschen fühlen, dann neigt der Verstand dazu, uns diese Gefühle schönzureden. Er will es nicht wahrhaben, dass es tatsächlich so ist, bei deiner Mutter, deinem Vater, deinem Bruder, deiner Schwester, deinem Sohn, deiner Tochter. Obwohl es eindeutig ist, dass du das fühlst, redet dir dein Denken dein Fühlen schön, weil es die Konsequenzen fürchtet. Dabei kennt es die Konsequenzen gar nicht, weil es die Konsequenzen schon immer fürchtet und deshalb die Konsequenzen nie kennengelernt hat, was passieren würde, wenn du deinem Gefühl folgen würdest. Du weißt nicht, was passiert. Du hast nur eine Vermutung, eine Angst, eine ausgedachte Angst. Ja, der Kontaktabbruch könnte dazu führen, dass ihr euch nie wieder trefft. Aber das ist nur eine der vielen Möglichkeiten. Und diese eine Möglichkeit stilisierst du zur einzigen. Deshalb hast du Angst und deshalb tust du es nicht. Und so setzt du eine Maske auf und spielst das Spiel mit. Du tust so, als wäre nichts, als hättest du keine ablehnenden Gefühle. Und so kommt es, dass du dich nicht an deiner tatsächlich erlebten Realität, also an deiner gefühlten Körperempfindung orientierst, sondern an der gedachten Realität, zum Beispiel: "Es ist doch meine Mutter!” Und während das natürlich stimmt, ist das noch lange kein Grund, deine Gefühle zu übergehen, indem du sie dir von deinem Denken schönreden lässt.