Wenn du etwas kannst, kannst du es immer und überall. Eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, ob es deine Berufung ist, ist dieses Zitat. Wenn es deine Berufung ist, brauchst du keine Vorbereitung dafür. Du musst dich nicht aufwärmen. Du brauchst keine Lockerungsübungen. Und vor allem: Du musst dich nicht motivieren. Es ist keine Frage der Motivation, ob du tust, was du tust. Wenn du es kannst, kannst du es immer und überall. Dafür ist keine extra Motivation notwendig. Wenn sich ein Redner sechs Monate auf seine Rede vorbereitet, dann mag er vielleicht ein guter Redner sein, seine Berufung lebt er nicht. Und ja, das darf und muss man so hart sehen. Nicht als Urteil von außen, sondern als innere Messlatte. Solange du dich fragst, ob du es tun solltest, ist es nicht deine Berufung. Solange du dich fragst, wie du dich dazu motivieren kannst, ist es nicht deine Berufung. Wenn du dich auf einen Auftritt vorbereiten musst, ist es nicht deine Berufung. Und dieses Zitat gilt auch für andere Dinge, zum Beispiel Gefühle fühlen. Wenn du deine Gefühle fühlen kannst, dann kannst du es immer und überall. Nicht nur, wenn du meditierst, nicht nur, wenn du im Satsang bist, nicht nur, wenn du im Retreat bist, nicht nur, wenn du alleine zuhause bist, sondern immer und überall. Du kannst es vor allem dann, wenn du nicht ungestört bist, wenn andere in der Nähe sind, oder schlimmer, dich sogar konfrontieren. Wenn du mit dem Fahrrad auf dem Hinterrad fahren kannst, dann kann man dich nachts wecken, dir ein Fahrrad geben und du fährst auf dem Hinterrad. Wenn du malen kannst, dann kann man dich nachts wecken und du malst ein Bild. Und wenn du Gedichte schreiben kannst, dann träumst du sie vielleicht sogar. Alles, worauf du dich vorbereiten musst, ist künstlich. Es ist nicht echt. Du kannst es nicht wirklich. Es ist nicht wirklich deins. Umgekehrt, wenn es deins ist, brauchst du keine Vorbereitung. Du musst dich noch nicht einmal anstrengen und vor allem nicht durchbeißen. Du musst dich nicht motivieren, du musst keine künstliche Rhetorik auswendig lernen, du brauchst dich nicht um deine Körpersprache kümmern und du musst nicht im Spiegel üben, um zu sehen, wie du wirkst. Du wirkst nämlich dann von innen nach außen. Selbst wenn es dir oder auch anderen seltsam oder suboptimal erscheint, wie du aussiehst, wie du dich bewegst, was du sagst, deine Selbstsicherheit kommt nicht mehr davon, dass du dich mit allen anderen im Raum vergleichst und davon ausgehst, dass du der Beste bist. Sie kommt davon, dass du dich nicht mehr vergleichst. Du bist dir in dem, was du tust, so sicher, dass dir selbst deine Fehler nicht peinlich sind. Wenn doch, ist es ein gutes Zeichen dafür, dass du im falschen Bereich unterwegs bist. Du willst nicht mehr perfekt erscheinen. Du willst einfach nur noch machen, was du kannst. Und dieses Machen, was du kannst, ist normal für dich. Es ist unaufgeregt und Lob ist dir eher peinlich. Du kannst es noch nicht einmal verstehen, denn du machst doch einfach nur, was du kannst. Und das kannst du immer und überall.