Alles, was mir jemals Angst gemacht hat, hat mich befreit. Natürlich hat mich nicht die Angst selbst befreit und auch nicht das, was mir Angst gemacht hat. Aber beides, die Angst und das, was mir Angst gemacht hat, waren Voraussetzung für die Befreiung. Und die Befreiung war nicht die Freiheit von Angst. Die Befreiung war der Umgang mit der Angst und nur, weil mir etwas Angst gemacht hat und weil ich Angst hatte, konnte ich diesen neuen Umgang üben. Ohne die Angst hätte das nicht entstehen können. Ohne die Angst hätte ich keinen neuen Umgang mit der Angst üben können. Angst und Verzweiflung haben mich dazu gebracht, einen neuen Umgang mit meinen Gefühlen zu üben. Und selbst das ist falsch formuliert, denn ich musste erst einmal erkennen, was Angst und Verzweiflung überhaupt sind. Ich musste herausfinden, dass es einen Unterschied zwischen Gefühlen im Kopf, Namen von Gefühlen und der Körperempfindung gibt. Und erst nach Jahren der Übung, nach Jahren intensivster Auseinandersetzung mit meinen sogenannten Gefühlen und Körperempfindungen, habe ich erlebt, dass das, was die Lehrer sagen, richtig ist, dass es stimmt, dass die Körperempfindung keinen Namen hat. Und nach weiteren Jahren der Übung habe ich herausgefunden, dass es stimmt, dass die Körperempfindungen getrennt von den Namen und den äußeren Umständen sind. Wir denken den Zusammenhang, aber er besteht nicht. Und das ist leichter gesagt als herausgefunden. Denn um das zu erleben, musste ich viele erfolglose Jahre dabei bleiben, ohne Aussicht darauf, es jemals herauszufinden. Die Wahrhaftigkeit meines Lehrers hat mich in dieser Zeit gehalten … und sie hält mich immer noch. Es ist internalisierte Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit, die nichts erschüttern kann. Das Ego, der Verstand, die Programmierung bleiben erschütterbar, aber dein unerschütterlicher Kern nicht. Das ist auch gar keine Veränderung. Es ist nur so, dass es dir auffällt. Denn es war schon immer so. Jetzt bist du dir bewusst.