Der Kopf ist kein zuverlässiges Orientierungssystem. Vor jedem Gedanken ist ein Gefühl. Die Frage ist nicht, ob es da ist, sondern ob es dir auffällt. Dein gesamtes Leben besteht aus Gefühlen, aus Körperempfindungen. Körperempfindungen sind der einzige Antrieb in deinem Leben. Es gibt Körperempfindungen, die dich anziehen, und Körperempfindungen, die dich abstoßen. Eigentlich ganz einfach, wenn wir uns trauen würden, entsprechend zu handeln. Man hat uns aber beigebracht, dass Gefühle nicht verlässlich sind. Und das glauben wir und deshalb suchen wir in unserem Kopf nach einer Lösung. Gedanken alleine bieten aber keine Orientierungsmöglichkeit, denn die Gedanken sind neutral. Du kannst jeden Gedanken denken, wenn du dabei keine Körperempfindungen fühlst, ist der Gedanke neutral und damit vollkommen irrelevant, beliebig austauschbar. Der Kopf macht mit dem ersten Gefühl etwas sehr Seltsames. Er stellt es in Frage. Ganz egal, ob dein erstes Gefühl positiv oder negativ ist, er widerspricht erst einmal. Er nimmt einfach ohne Not die Gegenposition ein. Wenn dich etwas anzieht, hat er Argumente, warum das auch gefährlich sein könnte oder gar nicht so gut für dich. Und wenn dich etwas abstößt, erklärt er dir, dass du dieser Abstoßung nicht einfach folgen kannst, denn das wäre ja Flucht und dass du vielleicht auch etwas Schönes verpasst. Das, was ich mit Kopf, Verstand, Programmierung bezeichne, ist an sich ein sehr einfacher Mechanismus. Dein Kopf, dein Verstand, ist nicht die Fähigkeit zu rechnen und klug zu denken. Dein Verstand ist ein sehr einfacher Mechanismus. Es ist die Funktion, dass du deinem Gefühl nicht folgen darfst, und es ist die Funktion von Zweifel. Schon als Kind wurde dir beigebracht, dass Gefühle keine zuverlässige Orientierungsmöglichkeit sind und das, obwohl sie die einzige Orientierungsmöglichkeit sind. Alles andere bietet keine Orientierung, denn alles andere ist neutral. Die einzige Möglichkeit, dich in diesem Leben zu orientieren, sind deine Gefühle. Und die werden dir ausgeredet. Es wird dir erklärt, dass du dich nicht an deinen Gefühlen orientieren kannst, weil du vorher darüber nachdenken musst, ob das eine gute Richtung ist, in die du dann gehen würdest. Und nachdem man dir dieses Orientierungssystem ausgeredet hat und wegnimmt, sagt man dir, dass du dich orientieren solltest, dass du wissen solltest, was du willst, und man versucht, dir bei dieser Orientierung zu helfen, indem man dich berät … mit guten Argumenten. Diese Argumente sind nicht gut, die sind absolut bescheuert und beschissen. Es gibt nur ein einziges gutes Argument und das ist dein Gefühl. Kein Gedanke kann dieses Gefühl ersetzen und ohne dieses Gefühl bist du aufgeschmissen. Du weißt einfach nicht, woran du dich orientieren sollst. Nun ist es aber gar nicht so, dass dieses Gefühl weg ist, es ist höchstens verschüttet und du redest es dir schlecht. Du tust so, als wäre das kein guter Hinweis. Bei positiven Gefühlen gelingt es dir noch eher, sie als Wegweiser zu sehen, aber auch da kommt der Verstand und grätscht dir in die Gefühlsparade. Und bei so genannten negativen Gefühlen hört der Spaß endgültig auf, denn denen darfst du auf gar keinen Fall folgen. Du darfst dich aufgrund von Abstoßung oder Energieverlust, schlechten Gefühlen — wie immer du das bezeichnen willst und wie immer du das im Körper fühlst — nicht entscheiden, zum Beispiel jemanden zu verlassen, jemanden nicht mehr zu besuchen, keinen Kontakt mehr zu pflegen oder ganz einfach etwas — was auch immer das ist — nicht mehr zu tun, weil es sich schlecht anfühlt. Die negativen Gefühle sind aber genauso Bestandteil deines Navigationssystems wie die positiven Gefühle. Sie sind nicht schlecht oder falsch, sie sind nur das Gegenteil der positiven. Und die negativen Gefühle hat man dir als Kind ganz besonders ausgeredet. Man hat dir also die Gefühle schlecht geredet und man hat behauptet, du könntest, um dich zu orientieren, die Gefühle ignorieren und den Kopf zu Rate ziehen. Diese klugen Gedanken, die dir sagen, welchen Weg du gehen solltest. Der Kopf ist aber kein zuverlässiges Orientierungssystem, weil er dir alles Mögliche und Unmögliche erzählt. Und am Schluss weißt du nicht mehr, wo du stehst. Statt dich an deinem Kopf zu orientieren, musst du dich an deinem Leben orientieren und schauen: »Wo zieht mich die Freude hin?« und »Wovon hält mich die Abstoßung ab?« Das ist so einfach, dass der Kopf vollkommen durchdreht. Diese Einfachheit will er nicht zulassen und in diesem Moment geschieht dann etwas sehr Verwirrendes, denn sobald es einfach wird, schickt er dir unangenehme Gefühle. Das kann er ganz einfach, aus dem Effeff, er produziert einfach wirre Gedanken, die dich verunsichern. Deshalb ist meine Empfehlung: Orientiere dich am ersten Gefühl!