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    23.12.2022AQ 1855
    »Es gibt keine Blaupause für dein Leben.«
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    Es gibt keine Blaupause für dein Leben. Wenn du bei anderen abschaust und wenn du es ihnen nachmachst, lebst du nur in der Illusion von Führung und Sicherheit. Du bist dann nicht geführt und sicher. Du tust nur so, denn du kannst gar nichts nachmachen. Du kannst es immer nur so machen, wie du es machst und das ist niemals, wie es andere machen. Statt also zu versuchen, es anderen nachzumachen, könntest du es gleich so tun, wie du es gerne machen würdest. Du könntest gleich du sein, statt versuchen, jemand anders zu sein. Und dann könntest du dich und so wie du es tust nicht mehr in Frage stellen. Dann könntest du einfach erkennen: »So mach ich es. Andere machen es anders.« Dann würden wir die Individuen, die wir sind und auch niemals verlassen können, aber so tun können, als wären wir ein anderer, jetzt schon sein und leben. Selbstverständlich kannst du dich von anderen inspirieren lassen, aber nachmachen kannst du es ihnen nicht. Und du solltest es auch gar nicht versuchen. Denn wenn du etwas nachmachst, ist das dein Verstand, der so sein möchte wie andere. Das geht nicht. Deshalb ist der Versuch zum Scheitern verurteilt. Du musst scheitern dabei. Du kannst dabei gar nicht glücklich werden. Es wäre absurd, wenn das möglich wäre. Es kann nicht gehen, denn das würde bedeuten, dass dein Leben zulassen würde, dass du dich selbst verarschst. Und das will keiner. Das will niemand, weil es niemandem etwas bringt, wenn du es schaffst, dich selbst zu verarschen. Aber es bringt anderen sehr viel, wenn du es so machst, wie du es machst. Denn dann können sie selbst erkennen, dass auch sie es so machen können, wie sie es machen. Und das klingt alles so banal und einfach und trotzdem scheitern wir dabei, weil wir konditioniert sind, abzuschauen. Obwohl uns das in der Schule verboten wird, werden wir alle darauf ausgerichtet, andere zu imitieren, indem bestimmtes Verhalten sanktioniert und anderes Verhalten gelobt wird: »Schau dir mal die anderen Kinder an. Die können schon schwimmen!« »Schau dir doch mal den Tom an! Der kann Mathe!« »Und schau mal, wie die Daniela schon lesen kann!« Und selbst zu der Zeit, wenn du diese Worte noch gar nicht verstehst, haben dich deine Eltern bereits verglichen: »Meiner kann schon laufen!« »Gestern hat er den ersten Drei-Wort-Satz gesagt!«Wir schränken unsere Kinder ein, indem wir ihnen zeigen und sagen, was da draußen in der Welt ist und was sie alles werden könnten. Und wir denken dabei: »Wir zeigen ihnen die Vielfalt.« Und wir sind Vollidioten. Denn wir verstehen nicht, dass die Individualität bereits Vielfalt ist. Vielleicht eine andere, als wir uns wünschen oder erhoffen. Aber sie ist bereits vielfältig. Nur anders, als wir es gerne hätten. Und so legen Eltern eine Blaupause nach der anderen über ihre Kinder, ohne zu verstehen, dass sowieso maximal eine überhaupt funktionieren könnte, wenn es überhaupt möglich wäre. Aber ist es ja nicht. Aber sie legen nicht nur eine Blaupause, sondern zig und hunderte Blaupausen über das Leben ihrer Kinder. Und so machen wir das später als Erwachsene bei uns selbst. Indem wir uns vergleichen und versuchen, bei anderen abzuschauen. Es ist aber nicht erstrebenswert, in das gleiche System hineingepresst zu werden oder sich selbst hineinzupressen, in dem andere sind. Es ist überhaupt nicht erstrebenswert, in irgendein System hineingepresst zu werden. Aber genau das passiert mit den Blaupausen. Denn dieses System besteht aus Blaupausen, aus Vorstellungen, aus Idealen, aus Werten, die nicht deinem Innersten entspringen, sondern der Vorstellung deines programmierten Verstandes und natürlich des programmierten Verstandes der anderen. Nichts davon ist wahr, nichts davon ist richtig und schon gar nicht erstrebenswert. Diese Blaupausen, die in uns existieren, sind kein erstrebenswertes Leben.