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    14.12.2022AQ 1846
    »Es sind die Warner und Mahner, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen.«
    0:005:42
    Es sind die Warner und Mahner, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen. Nicht diejenigen, vor denen sie warnen. Vor einiger Zeit wurde ich gewarnt. Ich wurde gewarnt vor einem Menschen, der mir nicht gut tun könnte, der etwas zerstören könnte. Mir kam diese Warnung seltsam vor, aber ich habe erst einmal nichts gemacht. War auch nicht notwendig. Es war nur komisch. Warum sollte mich jemand warnen? Einige Monate später habe ich das invasive Potential des Mahners und Warners kennengelernt. Erst schleichend und dann immer deutlicher und offensichtlicher. Und da ist mir mal wieder bewusst geworden, wie verdreht unsere Psyche ist. Wenn uns so etwas auffällt, unterstellen wir in der Regel Absicht. Die unterstelle ich nicht und es ist auch überhaupt nicht wichtig und relevant. Wichtig ist nur meine Klarheit. Wenn ich für mich klar bin, dann muss ich anderen nichts unterstellen. Denn es ist vollkommen egal, warum sie so sind, warum sie etwas machen. Meine Klarheit beseitigt jeden Zweifel. Aber natürlich nicht den Zweifel der anderen, sondern meinen. Ich zweifle nicht mehr. Ich weiß, was zu tun ist. Dazu muss ich weder böse sein noch den anderen verurteilen und ich muss auch nicht wissen, warum er so ist. Das Problem ist nur, dass wir uns diese Klarheit nicht zutrauen beziehungsweise nicht zu leben trauen. Und deshalb schwenkt die anfängliche Klarheit in Form eines sehr klaren, eindeutigen Gefühles um in Gedanken und Erklärungsversuche. Wir denken, dass diese Gedanken uns helfen. Tatsächlich behindern sie uns, ohne dass wir es merken. Mit diesen Gedanken verdrängen wir ein Gefühl, das noch stärker wäre, als die Gefühle, die wir haben, während wir darüber nachdenken. Und das ist das Gefühl, das wir hätten oder meinen zu haben, falls wir dem ersten Gefühl folgen. Vor diesem vorgestellten Gefühl haben wir unfassbare Angst. Denn es wurde uns abtrainiert, diesem Gefühl zu folgen. Es wurde von uns verlangt, das erste Gefühl zu unterdrücken, zu verdrängen und darüber nachzudenken, wie wir anders fühlen könnten oder wie wir die Situation so auflösen könnten, dass sie für alle angenehm ist. Besonders für die anderen. Es geht immer wieder nur um das erste Gefühl. Und das ist so herausfordernd und so schmerzhaft, dass wir uns unfassbar schwer tun, es überhaupt zu fühlen. Und uns selbst gegenüber zuzugeben, dass es existiert. Und es uns nicht schön oder anders reden, als es tatsächlich ist.