Wenn du anderen folgst, verlierst du dich selbst. Wenn du deinem Inneren folgst, verlierst du die anderen. Als Kind hattest du keine Angst, den anderen zu folgen und dabei den Kontakt zu dir zu verlieren. Hab jetzt keine Angst, dir zu folgen und dabei den Kontakt zu den anderen zu verlieren. Als Kind wird dir beigebracht, dich ausschließlich an anderen zu orientieren. Man verweist dich solange auf andere, bis du der Masse folgst. Bei der Orientierung an andere verlierst du aber den Kontakt zu dir selbst. Wenn du diesen Kontakt wiederherstellen und dich wiederfinden willst, wirst du deshalb zwangsläufig die anderen verlieren, an denen du dich fälschlicherweise orientiert hast. Erst wenn du dich wiedergefunden hast, kommen Menschen zu dir, die wirklich zu dir passen. Sie erscheinen nicht mehr durch deine Orientierung am Außen, sondern aus deiner Rückbesinnung auf dein Inneres. Bis sie erscheinen, gibt es aber eine Durststrecke. Du fühlst dich alleine, verlassen, nicht mehr gesellschaftsfähig, als hättest du deine Kompatibilität verloren. Und das stimmt auch. Du hast die Kompatibilität zum System verloren und damit zu den Menschen, die dem System folgen, die dieses System in sich tragen. Und du brauchst eine Zeit, um das alles für dich zu verarbeiten. Es braucht ein Vakuum, damit Neues in dich einfließen kann. Dieses Mal nicht geprägt vom System, sondern vom Leben selbst. Und diese Zeit wird von vielen Menschen als sehr unangenehm und haltlos empfunden. Es gibt aber keine Abkürzung. Jede scheinbare Abkürzung wäre ein Rückfall. Ein Rückfall in alte Systeme, Muster, Verhaltensweisen. Du würdest dich an das klammern, was gerade geht, was von dir weicht. Und du willst es nicht gehen lassen, weil das Neue noch nicht da ist und das Vakuum Angst macht. Wenn du an den anderen festhältst, kann sich nichts Neues entwickeln. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass du jeden verlassen musst. Aber du musst bereit sein, jeden gehen zu lassen. Das einzige Problem dabei ist der Verstand, der dir Angst macht, dass du für immer alleine sein wirst. Es bedeutet ja noch nicht einmal, dass du die anderen nicht wiedertriffst. Es ist eine Übergangsphase, die aber sein muss und die du nicht einfach überspringen kannst. Diejenigen, die du losgelassen hast, können sogar zurückkommen. Aber auch sie kommen verändert zurück. Meine eigene Erfahrung und auch die von vielen Retreat-Teilnehmern ist die, dass viele der alten Freunde einfach nicht mehr passen. Das heißt nicht, dass man böse ist. Aber es passt nicht mehr. Du kannst dich auch wieder mit ihnen treffen. Ich habe das gemacht, viele machen das, aber sie merken: »Es ist nicht mehr wie früher!« Und das ist überhaupt nicht schlimm. Denn es darf ja auch anders sein. Es darf sich verändern und wenn es überhaupt nicht mehr passt, dann musst du dich nicht treffen. Du musst dich nicht dazu zwingen. Das Problem ist nur der Verstand, der sich noch nicht einmal auf eine temporäre Phase des Verlassens oder des Alleinseins einlassen will. Er will Veränderung ohne Veränderung. Er will am Alten festhalten, während sich alles verändern soll. Das ist unmöglich. Das geht nicht. Da du dich selbst verlassen hast, musst du andere verlassen, um dich wiederzufinden. Erst dann wirst du auch die anderen wiederfinden.