Es ist einfach, sich anzupassen und dann zu sagen: »Ich habe keine Angst!« Schwieriger ist es, zuzugeben, dass du Angst hast und dich deshalb anpasst. Genauso schwer ist es zuzugeben, dass du Angst hast und deshalb protestierst. Unsere Angst zu erkennen, zu fühlen und zuzugeben, zumindest uns selbst gegenüber, ist eine der schwierigsten Herausforderungen für die meisten Menschen. Viel leichter fällt es uns, unsere Angst zu leugnen und zu behaupten: »Ich habe keine Angst.« Jeder hat Angst. Selbst dann, wenn er sie gut verdrängt. Und die meiste Angst lässt sich ja auch sehr gut verdrängen. Du passt dich einfach an. Man könnte auch sagen: Du gehorchst. Und wenn du gehorchst, merkst du, dass man dir plötzlich nicht mehr so viel Angst macht. Vielleicht bekommst du sogar eine Belohnung, einen üppigen Nachschlag wie eine Zulage oder einen Zuschuss. Dann hast du gleich doppelt keine Angst mehr: Erstens, weil du dich angepasst hast. Und zweitens, weil ja jetzt gut für dich gesorgt ist. Was könnte dir noch passieren? Mir fällt da was ein. Du könntest feststellen, dass du zu einer Person geworden bist. Eine Persona mit Maske. Und kein Mensch mehr. Du könntest feststellen, dass dir deine Intuition abhandengekommen ist. Und du könntest merken, dass es zwar bequem ist, du aber nicht glücklich bist. Jede Transformation beginnt mit einer wesentlichen Erkenntnis. Eine Erkenntnis, die du dir selbst gegenüber eingestehen musst. Du brauchst sie nicht anderen sagen, du musst es für dich selbst feststellen. Und diese Erkenntnis heißt: »Ja, ich habe Angst.«