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    24.11.2022AQ 1826
    »Unser angebliches Mitgefühl entspringt unseren Urteilen über die Situationen der anderen.«
    0:006:49
    Unser angebliches Mitgefühl entspringt unseren Urteilen über die Situationen der anderen. Wir beurteilen und interpretieren die Situationen anderer Menschen entweder entsprechend unserer eigenen Erfahrung oder aufgrund unserer eigenen Angst. Unsere eigene Erfahrung muss aber nicht die Erfahrung der anderen sein und zwei verschiedene Menschen können von außen betrachtet die gleiche Erfahrung machen, erleben sie aber in sich vollkommen unterschiedlich. Und so kommt es, dass unser angebliches Mitgefühl ganz oft Mitleid ist und wir bemitleiden gar nicht die anderen, sondern uns selbst. Wir imaginieren uns in ihre Situation und fühlen, was wir fühlen würden, wenn wir in ihrer Situation wären. Die andere Möglichkeit ist die Interpretation der Situation anderer Menschen aufgrund unserer eigenen Angst. Wir möchten diese Situation nicht erleben. Wir interpretieren, wie sie für uns wäre und dass uns das nicht gefallen würde. Und wir machen das, bevor wir sie gefragt haben, wie es ihnen geht. Und all das wäre überhaupt kein Problem, wenn wir dann nicht versuchen würden, uns einzumischen und einzugreifen. Und natürlich kommt der Verstand gleich mit Notsituationen. Notsituationen machen aber nicht einmal 0,001 Prozent unseres Lebens aus. Es geht um alle anderen Situationen, die unser Leben tatsächlich ausmachen. Wir wollen helfen. Wir wollen eingreifen, weil wir nicht bereit sind, diejenigen Gefühle zu fühlen, die mit unseren Urteilen und unseren Ängsten über die Situationen der anderen verbunden sind. In einer Notsituation passiert übrigens etwas vollkommen anderes, als wir uns selbst erzählen. Wir handeln einfach. Wir helfen, weil wir es können. Unsere Gefühle sind dabei im Wesentlichen abgeschaltet aus einem ganz einfachen Grund. Sie würden unserer Hilfe im Weg stehen. Ein Rettungsarzt oder ein Feuerwehrmann, der die ganze Zeit Mitgefühl hat, könnte überhaupt nicht helfen. Ich habe das vor einigen Jahren am eigenen Leib erlebt, vielleicht/wahrscheinlich habe ich jemandem das Leben gerettet. Er hat es zumindest behauptet hinterher. Und ich hatte währenddessen weder Angst noch Mitgefühl, denn ich habe alles getan, was für mich möglich war. Und währenddessen war eine ungewöhnliche Ruhe in mir. Ich war weder aufgeregt und habe auch nicht versucht, Notarzt zu spielen und andere zu überholen, um schneller ans Ziel zu kommen. Und ich hatte auch keine Angst, dass er stirbt, obwohl das durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen wäre. Echte Hilfe kommt von einem anderen Ort in uns, als wir denken. Sie entsteht frei von Gedanken und auch frei von überwältigenden Gefühlen. Wir tun einfach, was möglich ist. Und wir machen es, weil wir es können.