Es ist nicht deine erlebte Realität, wenn du über die Realität eines anderen informiert wirst. Das liegt zunächst natürlich daran, dass du nicht dabei warst. Und selbst wenn du dabei warst und das Gleiche beziehungsweise etwas Ähnliches erlebt hast, hast du nicht das Gleiche dabei empfunden. Wenn wir über die Realität von anderen informiert werden, dann tun wir so, als hätten wir es selbst erlebt. Natürlich ist uns das nicht bewusst, dass wir das machen. Und wir können es natürlich auch erst hinterher begreifen und auch nur dann, wenn wir wirklich wollen, wenn wir bereit dafür sind. Wir denken nämlich nur, wir würden mit dem anderen mitfühlen, wir würden uns in ihn hineinfühlen. Tatsächlich haben wir vollkommen andere Prägungen und Voraussetzungen, Programme und dadurch auch Gefühle. Wir können also nur sagen, wie wir uns gefühlt hätten. Und auch das ist eine Vermutung. Tatsächlich können wir nur sagen, wie wir uns in diesem jetzigen Moment fühlen, wenn wir über die Erfahrung eines anderen informiert werden. Und natürlich kann das sein, dass wir dabei ganz ähnliche Gefühle haben wie derjenige, der es tatsächlich erfahren hat. Es kann aber auch sein, dass wir vollkommen andere Gefühle haben. Und während uns das nicht klar ist, sind wir sehr überzeugt davon, uns so zu fühlen wie der andere. Erfahrungen und Gefühle zu vergleichen, abzugleichen und abzustimmen ist nur sehr schwer möglich. Tatsächlich ist es absolut unmöglich, 100%ig sicher sagen zu können, das Gleiche zu fühlen wie der andere. Und selbst falls das möglich sein sollte, auf dem Weg dorthin liegen eine Menge Missverständnisse. Die Worte selbst haben keine Bedeutung. Worte bekommen ihre Bedeutung durch deine Erfahrung, durch dein Erleben. Ein ganz einfaches Beispiel: Wie würdest du einem Kind einen Orgasmus erklären? Du könntest nur einen Vergleich finden und du könntest sagen, zum Beispiel: "Das ist wie Niesen, nur untenrum." Und während das ein guter Vergleich ist, hinkt er und trifft nicht den Kern der Erfahrung. Das wird ein Kind spätestens dann feststellen, wenn es einen Orgasmus erlebt. Und in diesem Moment wird es merken, es hatte eine Vorstellung, die war vielleicht sogar nahe dran, aber es ist trotzdem etwas anderes. Und das Gleiche gilt für alle anderen Erfahrungen. Was ist Erwachen? Was ist Satori? Was ist eine Herzöffnung? Was ist Erleuchtung? Wann ist dein Ego komplett weggefallen? Wie fühlt sich das an? Warum kommt es zurück? Sollte man das überhaupt anstreben? Das sind alles überflüssige Fragen, wenn es dir nicht passiert ist. Wenn es dir passiert ist, sind sie doppelt überflüssig, denn dann weißt du wirklich. Du weißt es nicht im Kopf durch eine Erklärung oder einen Vergleich, sondern du weißt es durch dein eigenes Erleben. In diesem Erleben gibt es keinen Zweifel. Dein Erleben ist nicht diskutierbar. Deshalb brauchst du es erst gar nicht versuchen, dich zu erklären. Wenn es jemand nicht glauben kann oder nicht verstehen kann, kannst du ihm deine Erfahrung nicht geben. Worte sind keine erlebte Realität. Erst wenn du es gefühlt hast, ist es deine erlebte Realität.