Die Idee von Rente ist das Verschieben von Freude in die Zukunft. Das ist die gleiche Grundidee wie bei allen anderen Wünschen für die Zukunft auch. Hinter dieser Idee steht das gleiche Programm: "Jetzt hart für unsere Freude in der Zukunft zu arbeiten." Während wir das tun, verpassen wir das, was jetzt hier ist. Denn wir versuchen uns ja zu überwinden. Wir tun so, als könnten wir diesen Moment, der jetzt hier ist, auf ein Konto für die Zukunft einzahlen. Das ist selbstverständlich nicht möglich. Denn es gibt nichts anderes als diesen Moment. Wenn du es trotzdem versuchst, wirst du die Zukunft niemals erreichen, denn die Zukunft ergibt sich aus diesem Moment. Und in der Zukunft kannst du immer nur das tun, was du in diesem Moment geübt hast. Und wenn du übst, deine Freude für eine imaginierte Zukunft zu opfern, dann wirst du in der Zukunft das Gleiche erleben. Du übst ja das Verschieben deiner Freude. Bei der Idee von Rente wird das Ganze besonders deutlich. Aber wir machen es ja nicht nur bei der Rente so, sondern in allen anderen Bereichen unseres Lebens auch. Deshalb versuchen wir uns dann zwischendurch von unserem Leben, das aus dem Verschieben der Freude in die Zukunft besteht, abzulenken. Dann versuchen wir, künstlich Spaß und Freude zu erzeugen. Mehr oder weniger erfolgreich. Und meistens ist dieser Versuch zum Scheitern verurteilt. Dummerweise interpretieren wir dieses Scheitern als negativ. Tatsächlich ist es extrem positiv, da es uns wachrütteln könnte. Wir könnten durch dieses Scheitern erkennen, dass wir auf dem Holzweg sind. Aber wer gibt das schon gerne zu? Die meisten können das noch nicht einmal und gerade nicht sich selbst gegenüber. Sie versuchen lieber weiterhin ein offensichtlich falsches Konzept in die Ewigkeit zu projizieren. Und so zu tun, als käme die Lösung ganz automatisch durch einen Termin in der Zukunft. Als gäbe es ein Datum oder eine Uhrzeit, wo etwas umgestellt wird für dich. Als würde dein Leben aus einem Zeitstrahl bestehen, der dich definiert und der dir sagt, wann du was machen kannst beziehungsweise wann was für dich dran ist. Tatsächlich besteht dein Leben natürlich nicht aus Zeit, sondern aus Bewusstsein und deiner Aufmerksamkeit. Und so schrammen wir durch diese falsche Grundidee zielstrebig an der Erfüllung unserer Wünsche vorbei. Erstens, weil du dir Wünsche niemals in einer vorgestellten Zukunft erfüllen kannst. Und zweitens, weil du den jetzigen Moment für eine Zukunft opferst, die niemals eintreten wird. Mit der Idee einer Belohnung in der Zukunft übst du, wie es dir jetzt scheiße geht. Wenn du willst, dass es dir gut geht, musst du üben, wie es dir jetzt gut geht. Und irgendwann wirst du mit und ohne Rente merken: "Ah, mir geht es jetzt gerade gut. Ich brauche also gar keine bessere Zukunft."