Wir sind auch in der Spiritualität in einem Selbstoptimierungswahn gefangen. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Spiritualität vollkommen falsch definieren. So kannst du Sätze lesen wie: »I believe in spirits.« Also »Ich glaube an Geister.« Oder »Ich glaube an Seelen.« Oder auch »Trust the universe!« Also »Vertraue dem Universum!« Das hat nichts mit Spiritualität zu tun. Spiritualität ist nicht dein Glauben an oder in irgendetwas. Spiritualität ist, wenn du kein Vertrauen mehr brauchst, wenn du an nichts mehr glauben musst, weil du es selbst erlebst, weil du dein Erleben wieder in den Vordergrund stellst. Aber nicht dein Erleben im Verstand, sondern das, was du tatsächlich erlebst. Und das, was du tatsächlich erlebst, findet in deinen Gefühlen statt. Und deine Gefühle kannst du gar nicht verändern und solltest du auch gar nicht verändern. An deinen Gefühlen gibt es nichts zu optimieren. Du kannst keine bessere Version von dir werden, denn du bist ja jetzt schon. Und ein Ziel in der Zukunft entfernt dich von diesem Moment, also von dir, wie du jetzt bist. Falsch verstandene Spiritualität ist ein gutes Business, aber alles andere als spirituell. Die Menschen glauben weiterhin, dass sie etwas optimieren müssen und damit bleiben sie weiterhin im Verstand. Spiritualität ist aber das Gegenteil davon. Spiritualität ist die Fähigkeit, den Verstand zu verlassen. Und deinen Verstand verlässt du, wenn du bereit bist, dort zu sein, wo du jetzt gerade tatsächlich bist. Und ich meine das nicht nur lokal, also an dem physischen Ort, an dem du jetzt bist, sondern auch in dem Gefühl, das du gerade fühlst in der Situation, in der du dich gerade befindest. Mit dem Partner, mit dem du gerade bist, oder auch ohne Partner. Spiritualität kann kein weltliches Ziel mehr haben. Das ist vollkommen ausgeschlossen. Aber wir Menschen stehen halt auch darauf, dass wir noch etwas verbessern könnten, dass wir noch etwas an uns optimieren. Irgendwie lieben wir diese Illusion. Wir wollen mehr, besser, schöner, weiter, hoffnungsvoller, gläubiger und am Schluss spiritueller. Und nie zu vergessen, auf diesem Weg selbstverständlich auch noch ganz nebenbei die Welt retten. Das ist nicht spirituell. Das ist wahnsinnig. Es ist das Gegenteil von Spiritualität. Und es führt dich in eine Falle. Denn in diesem Selbstoptimierungswahn kannst du dich selbst genauso wenig entdecken wie vorher. Entdecken kannst du dich nur, wenn du bereit bist, alles anzunehmen. Deine Wut, deine Unfähigkeit, deinen Ärger, deine Selbstzweifel. Ja, sogar deinen Hass. Und wenn du unbedingt ein Ziel brauchst, dann ist das einzige und das letzte Ziel, mit all dem, wie du wirklich bist, in Frieden zu kommen.