1.10.2022AQ 1772
»Wir sehen das Ego vor lauter Gedanken nicht.«
Wir sehen das Ego vor lauter Gedanken nicht. Alles, worüber wir sprechen, ist zwar passiert oder könnte passieren, aber während wir darüber sprechen, ist es nur in unserem Kopf. Und in diesem Moment sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wir sehen unser Ego vor lauter Gedanken nicht. In diesem Moment tun wir so, als hätten unsere Gedanken Substanz. Diese Substanz haben sie aber nur aufgrund der Körperempfindungen, die wir in Verbindung mit diesen Gedanken fühlen oder verdrängen wollen. Du kannst deinen Gedanken die Macht entziehen, wenn du erkennst, dass es nur Gedanken sind. In diesem Moment erkennst du die Bäume wieder, aus denen der Wald entsteht. Dein Ego existiert nur, solange du nicht erkennst, dass es nur Gedanken sind, solange du dich unbewusst mit diesen Gedanken identifizierst. Solange du dich mit deinen Gedanken identifizierst, bist du in einem Tagtraum gefangen, ohne dass du es merkst. Die Art und Intensität unserer Identifikation mit den Gedanken ist uns überhaupt nicht klar. Wir denken, als wäre es in diesem Moment real, obwohl es in diesem Moment nicht real ist. Diesen Satz können Millionen Menschen hören und Millionen Menschen können ihm zustimmen, ohne dass sie ihn verstanden haben. Vor allem aber haben sie ihn nicht integriert im Sinne von nicht gelebt. Denn im Moment der Identifikation mit den Gedanken ist es uns nicht möglich, die Identifikation zu erkennen. Es bleibt deshalb unsere größte Herausforderung, unser Ego trotz lauter Gedanken sehen zu können.