Intuition ist keine Überzeugung. Wenn du deiner Intuition folgst, bist du nicht überzeugt davon. Du glaubst auch nicht, dass es richtig ist. Da Intuition nicht deinem Ego entspringt, lässt sie sich nicht mit den üblichen Maßstäben beurteilen. Und weil deine Intuition keine Überzeugung braucht für dich selbst, will sie auch niemand anderen überzeugen. Es ist dir nicht wichtig, recht zu haben. Rechthaben und Überzeugen sind Kategorien, die deine Intuition gar nicht kennt und auch nicht braucht. Ganz im Gegenteil, je weniger du recht haben möchtest, je weniger du andere überzeugen möchtest, desto intuitiver kannst du handeln. Wenn es dir vollkommen egal geworden ist, was andere über dich denken, bist du deiner Intuition am nähesten. Das funktioniert natürlich nicht dadurch, dass du so tust, als wäre es dir egal. Und es funktioniert auch nicht, wenn du sagst: »Ah, ist mir doch egal, was die anderen über mich denken!« Wenn du es so sagst, auch wenn du es nur innerlich sagst auf diese Art und Weise, ist es dir in Wahrheit nicht egal. Wirklich egal ist es dir, wenn du gar nicht mehr daran denkst, dass andere etwas über dich denken könnten. In diesem Zustand ist Intuition auch sehr unspektakulär. Sie braucht keinerlei Anerkennung. Es genügt ihr, wenn du sie wahrnimmst und ihr folgst. Mehr will sie nicht. Und wenn andere fragen, woher du denn weißt, was du tun musst und wie du dir sicher sein kannst, dass es richtig ist, dann hast du kein Argument für sie. Argumente sind nur für Überzeugungen notwendig. Deine Intuition braucht kein einziges.