Der Glaube an die eigene Unfähigkeit ist die Grundlage eines jeden Staates. Heute habe ich einen kleinen Schocker für dich. Aber versuch mal dabei zu bleiben. Kennst du Menschen, die sagen: »Der Staat baut Straßen. Der Staat baut Schulen!«? Also ich war schon in einigen Schulen und ich habe auch schon einige Baustellen gesehen und ich habe dort vieles gesehen. Aber einen, den ich dort nie gesehen habe, war der Staat. Den gibt es nämlich gar nicht. Aber es gibt Menschen, die denken, dass sie beim Staat arbeiten. Und es gibt Firmen, die Aufträge vom Staat entgegennehmen. Diejenigen, die die Straßen bauen, das sind deine Nachbarn. Vielleicht bist es sogar du selbst? Vielleicht kennst du jemanden, der eine Schule gebaut hat oder der beim Straßenbau mit dabei war? Was wir damit meinen, wenn wir sagen: »Der Staat baut Straßen!«, ist natürlich etwas anderes als das, was wir sagen. Wir meinen damit: »Der Staat organisiert den Bau von Straßen.« Wenn der Staat selbst aber gar keine Straße baut, bedeutet das was genau? Es bedeutet nichts anderes, als dass wir es uns nicht zutrauen. Wir trauen uns die Organisation nicht zu und deshalb übergeben wir diese Organisation an jemanden, den wir gar nicht kennen. Wir denken, wir sind zu blöd. Wir sind unfähig, eine Straße zu bauen oder den Straßenbau zu organisieren. Und damit geben wir es aus der Hand. Wir spielen dumme kleine Kinder, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu organisieren und deshalb geben wir es ab an Vater Staat. Und zwar so, als ob der irgendetwas könnte und als ob der irgendetwas organisieren würde. Und damit begründen wir dann, dass wir Steuern zahlen sollen. Wir halten uns selbst für unfähig, geben es dann dem Staat und deshalb macht es Sinn, Steuern zu zahlen. Wir könnten einfach aufhören, uns dumm und unfähig zu stellen. Wir könnten aufhören so zu tun, als wären wir nicht in der Lage, etwas zu organisieren. Aber alleine diese Aussage übersteigt die emotionalen Fähigkeiten der meisten Menschen bei Weitem. Denn sie glauben so sehr an den Staat und damit an ihre eigene Unfähigkeit. Und sie glauben so sehr daran, dass alles im Chaos versinken würde. Nur weil wir es nicht abgeben, nur weil wir unsere Verantwortung nicht an den Staat abgeben. Deshalb und davor macht man uns auch Angst, würde Chaos entstehen, wenn wir es wagen würden, es alleine zu machen. Dabei muss jeder Unternehmer vollkommen anders gestrickt sein. Zumindest dann, wenn er nicht von staatlichen Subventionen abhängig sein will. Er muss sich etwas zutrauen. Und nicht nur sich, sondern auch seinen Mitarbeitern. Und er muss diesen Mitarbeitern vertrauen, dass sie etwas können und dass sie es auf die Beine stellen. Auch ohne ihn. Aber natürlich ist das in einem Unternehmen wieder eine ähnliche Organisation, eine ähnliche Struktur. Was machen die Mitarbeiter? Die Mitarbeiter glauben an die eigene Unfähigkeit und die ist auch die Grundlage eines jeden Unternehmens. Würden wir uns selbst nicht für unfähig halten, könnten wir gemeinschaftlich einfach alles organisieren. Natürlich ist es aber auch so, dass wir unfähig gehalten werden. Das heißt, bestimmte wichtige Dinge werden uns einfach nicht gezeigt, nicht erklärt. Wir lernen es gar nicht, weil wir ja gewohnt sind, alles abzugeben. Vor allem unsere Verantwortung. Und mit Verantwortung meine ich keine schwere Bürde, sondern etwas ganz Normales. Wenn du etwas organisierst, bist du verantwortlich dafür. Aber wir glauben nicht mehr, dass wir das können. Und das, obwohl jeder von uns etwas kann und das dann in den Dienst des Staates stellt oder natürlich auch von Unternehmen. Eine Verantwortung wäre es übrigens auch, klar zu erkennen, was man wirklich nicht kann. Das zeugt von Reife und ist eine große Kompetenz: Zu wissen, was man nicht kann, worauf man keine Lust hat, was man nicht tun möchte und was andere besser können. Wenn wir das ganz einfach zugeben könnten, dann wäre uns vollkommen klar: Da ist eine Lücke und die muss von jemandem gefüllt werden. Und dieser Jemand sind nicht wir, der bin nicht ich. Jemand anders kann das besser. Die Erkenntnis oder der Glaube an die eigene Fähigkeit, die Erkenntnis der eigenen Kompetenz beinhaltet also auch die Erkenntnis der eigenen Inkompetenz. Die Fähigkeit, seine Inkompetenz zu erkennen und zuzugeben. Und beides sind notwendige Voraussetzungen für gemeinschaftliche Arbeit. Wenn wir das nicht können, muss es ein anderer für uns tun, dann werden wir von anderen organisiert. Entsprechend unserer Fähigkeiten, wenn es gut läuft. Und oft auch entsprechend der Inkompetenz der Mitarbeiter, die nicht einschätzen können, worin wir gut sind, weil wir es auch nicht sagen und weil wir es vielleicht auch gar nicht wissen. Falls du noch nicht verstehst, was ich meine, möchte ich es dir noch ein bisschen anschaulicher anhand eines Beispiels erklären. Stell dir vor, alle, die an der Planung, an der Organisation und am Bau einer Straße beteiligt sind, wohnen in einer Straße und jeden Morgen gehen sie in ihre Arbeit. Der eine geht auf die Behörde, der andere geht zu einem Bauunternehmen und ein anderer geht in ein Planungsbüro. Und es gibt Architekten und LKW-Fahrer. Und jeder geht in seine Firma und in seine Behörde und untertags organisieren sie dann diesen Straßenbau. Die hätten gar nicht irgendwo hingehen müssen, die hätten in ihrer Straße bleiben können und alles ohne die übergeordnete Struktur genauso organisieren können. Und der Einwand, den du jetzt haben könntest, ist: »Na ja, aber irgendjemand muss das ja finanzieren und die brauchen ja auch die Mittel und Lastwagen und so weiter.« Ja genau. Und auch dafür fehlt uns der Glaube an unsere eigene Fähigkeit. An unsere Fähigkeit, auch das organisieren zu können. Wir stellen es uns schwierig vor, weil wir es noch nie anders erlebt haben. Und wir haben es noch nie anders erlebt, weil uns andere gesagt haben, dass es schwierig sei. Und so haben wir den perfekten Kreislauf mit dem Glauben an unsere eigene Unfähigkeit.