»Ein Sklave ist jemand, der darauf wartet, dass einer kommt und ihn befreit.« Ezra Pound Nach dieser Definition sind wir alle Sklaven. Wir merken, dass etwas falsch läuft, es kommt uns komisch vor. Und wir warten darauf, dass jemand kommt und es uns erklärt und uns befreit. Es gibt kein größeres Gefängnis als das Gefängnis unseres Geistes. Unser Verstand wurde gekapert und wir lassen ihn nicht mehr frei. Da die Kaperung unter Schmerzen stattfand, wollen wir diese Schmerzen vermeiden. Wir wollen es kein zweites Mal erleben. Wir wollen die Ängste und die Gefühle nicht noch einmal fühlen. Und so schaffen wir das perfekte Gefängnis. Es gibt gar kein besseres, denn jedes andere Gefängnis ist offensichtlich und damit viel leichter benennbar, erkennbar und auch vermeidbar. Ein unsichtbares virtuelles Gefängnis ist sehr viel besser, weil sehr viel schlechter erkennbar. Und das Beste daran ist, dass wir die Gefängnisregeln nicht erkennen, nicht erkennen können und auch nicht erkennen wollen, weil wir sie selbst geschrieben haben. Wir haben sie von unseren Vorfahren übernommen und dann für uns selbst noch einmal festgeschrieben. Keine einzige Regel auf der Welt ist so effektiv wie eine, an die du selbst glaubst, weil du denkst, du hättest sie festgelegt. Solange du glaubst, all das wäre deinem freien Willen entsprungen, kannst du es nicht erkennen und auch nicht auflösen. Denn du willst es ja auch gar nicht erkennen und nicht auflösen. Denn du denkst ja gar nicht, dass es das gibt. Und wenn jetzt jemand kommt, der dich auf dein Gefängnis hinweist, dann verteidigst du dein Gefängnis, als wäre es deine Freiheit. Dabei gehen die meisten Menschen so weit, dass sie ihr Gefängnis mit ihrem Leben verteidigen würden. Kein anderes Gefängnis kann jemals so effizient sein. Und wenn du dann noch glaubst, dass dich jemand befreien müsste, weil du das nicht selbst kannst, dann hast du den perfekten gordischen Knoten. Denn du merkst ja, dass irgendetwas nicht stimmt. Aber es kann ja nicht an einem Gefängnis liegen, in dem du sitzt, denn dieses Gefängnis gibt es ja nicht. Also muss es an etwas anderem liegen, wie zum Beispiel an den Regeln. Und dafür gibt es ja Politiker und dann legst du deine Hoffnung in die. Die verändern dann auch die ein oder andere Regel. Und wenn es hilft, dann denkst du, sie hätten dich befreit. Und wenn es nicht hilft, dann denkst du, du müsstest die Gefängniswärter auswechseln. Diese Arbeit, deinen Job kannst du aber nicht delegieren. Deine Selbstbefreiung kannst du aber nicht delegieren. Das ist dein Job. Das ist deine Verantwortung, deine Aufgabe. Warte also nicht, bis jemand kommt, der dich befreit, denn der kommt nicht! Oder anders gesagt, der ist längst hier, denn der bist du.