Wir versuchen unsere Probleme zu bewältigen, indem wir mit Unbeteiligten darüber sprechen. Wir denken, wir müssten uns etwas von der Seele reden. Und wir sprechen dann mit Menschen darüber, die nicht beteiligt sind. Und die quatschen wir voll, als ob sich dadurch irgendetwas in uns verändern würde, als ob sie uns helfen könnten, als ob sie wüssten, was wir tun sollen, als ob sie eine Entscheidung für uns treffen könnten. Und wir verstehen gar nicht, was wir dabei tun. Wir geben unsere Verantwortung ab, beziehungsweise Bruno Gröning hat das noch besser formuliert: »Wir werden menschenhörig.« Wir hören dann auf die Ratschläge anderer. Es ist aber nicht der Job der anderen, unser Leben zu führen. Das ist unser Job. Wir müssen das tun. Und oft ist es noch nicht einmal so, dass wir Tipps oder Hinweise bekommen wollen. Wir wollen einfach nur unseren Müll auf die anderen auskotzen. Ob es sie interessiert oder nicht, ob sie es hören wollen oder nicht, ob sie überhaupt etwas beisteuern können oder nicht, wir wollen einfach erzählen, wie es gerade für uns ist. Ein bisschen so wie bei einer geschwätzigen Frisörin. Es macht zwar keinen Sinn, aber wir labern halt. Wir können nicht einfach still da sitzen oder still die Haare schneiden. Wir müssen dem Kunden entweder unsere Story aufdrücken oder wir interessieren uns angeblich dafür, was bei ihm so los ist und stellen Fragen, sind neugierig. Aber neugierig nicht in einem positiven Sinn, dass wir uns wirklich interessieren, sondern eher sensationsgierig und auf der Suche nach einem Aufreger. Je mehr du zu dir kommst, je näher du bei dir bist, desto schwieriger wird Smalltalk. Du kannst es einfach nicht mehr. Und es wird sehr schmerzhaft. Wenn die Stille immer noch schmerzhaft ist, schwankst du zwischen beidem hin und her und du findest nichts, was nicht weh tut. Du musst dich an die Stille gewöhnen, dann merkst du auch, dass es vollkommen überflüssig ist, Unbeteiligten von deinen Problemen zu erzählen.