Du kannst nur diskriminiert werden, wenn du dich selbst diskriminierst. Wenn du dich selbst nicht schlecht machst, wenn du von dir selbst nicht schlecht denkst, wenn du über dich selbst weder innerlich noch öffentlich schlecht redest, dann wird das auch niemand für dich tun. Denn was wir mit Diskirminierung meinen, ist ja nicht die ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Diskriminieren bedeutet einfach nur unterscheiden. Das heißt nicht, jemanden schlecht behandeln. Du kannst nur schlecht behandelt werden, wenn du dich selbst schlecht behandelst. Einige Menschen neigen dazu, bei solchen Aussagen aufschreien zu wollen. Und sie sprechen dann von Opferverhöhnung und solchen Dingen und das hat damit gar nichts zu tun. Es hat damit zu tun, dass wir erkennen, was in uns abläuft. Um schlecht behandelt werden zu können, muss ich meinen Fokus darauf ausrichten. Und zwar sowohl dann, wenn ich gar nicht schlecht behandelt werde, als auch dann, wenn ich schlecht behandelt werde. Ich könnte stattdessen selbst dann, wenn ich schlecht behandelt werde, meinen Fokus davon abziehen. Ich könnte den Menschen, die mich schlecht behandeln, keinerlei Aufmerksamkeit geben. Das liegt anfangs natürlich noch nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten, aber je mehr ich das übe, desto eher liegt es im Rahmen meiner Möglichkeiten. Wir können unser Leben lang andere für die Umstände in unserem Leben verantwortlich machen und das tun wir auch. Wir versuchen das die ganze Zeit. Wenn wir uns aufregen, sind nie wir schuld, immer die anderen. In uns machen wir aber uns selbst schlecht. Das heißt, nie ist es richtig, mal sind die anderen schuld, mal sind wir schuld. Das geben wir natürlich öffentlich nicht zu, dass wir schlechte Gedanken über uns selbst haben. Es ist aber der Fall. Wir diskriminieren also uns selbst. Wir selbst machen uns schlecht. Und wir merken auch den kleinen, aber feinen Mechanismus nicht, warum das weiterhin der Fall ist und warum wir weiterhin diese Menschen in unserem Leben haben, die uns schlecht behandeln. Das liegt daran, dass wir noch etwas von außen erwarten. Von Respekt über Anerkennung bis zu Liebe. All das, was wir uns selbst nicht geben, fordern wir von anderen ein. Und wir denken, beziehungsweise wenn wir es nicht denken, ist es unbewusst, aber handeln so, dass wir die anderen noch brauchen und dass wir unsere Aufmerksamkeit jetzt ja nicht abziehen können von dem, dass wir uns nicht einfach umdrehen können und gehen können, wenn uns jemand schlecht behandelt. Aber genau das ist möglich. Das liegt im Rahmen unserer Möglichkeiten. Was nicht im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt, ist, den anderen zu verändern. Wir könnten bei uns beginnen. Wir könnten uns selbst nicht mehr diskriminieren und wir könnten uns von Menschen abwenden, die uns diskriminieren. Wir könnten unsere Aufmerksamkeit neu ausrichten. Das liegt im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das geht aber nur, wenn wir unsere Erwartungen vollkommen loslassen. wenn wir kein Opfer unserer eigenen Erwartungen mehr sind. Wenn wir damit in den Frieden kommen, keine oder wenige Freunde zu haben. Wenn wir okay damit sind, nicht beliebt zu sein. Welchen Wert auch immer das jemals haben sollte? Die äußere Welt wirft uns immer nur auf uns selbst zurück. Aber wir weigern uns. Wir finden die Welt doof oder wahlweise auch uns selbst. Beides ist nicht hilfreich. Um nicht mehr diskriminiert werden zu können, müssten wir eine Klarheit und eine Radikalität an den Tag legen, wie du sie in einem Interview von Novak Doković mit der BBC sehen kannst, wenn du willst. Und ich würde das so zusammenfassen: Frage: »Bist du bereit, alles zu verlieren?« »Ja, ich bin bereit.« Frage: »Ist es dir das wirklich wert?« »Ja, das ist es mir wert.« So klar musst du sein, dann kannst du nicht mehr diskriminiert werden.