Es gibt zwei Arten der Dressur: Zuckerbrot und Peitsche – Belohnung und Bestrafung. Unser Wunsch nach Belohnung kommt nur durch die Kehrseite der Medaille und das ist die Bestrafung. Weil wir bestraft wurden, wollen wir auch belohnt werden. Weil wir entmutigt wurden, wollen wir ermutigt werden. Und als Ausgleich zum Negativen denken wir, das Positive würde uns helfen. Das ist aber nicht nur nicht hilfreich, sondern kontraproduktiv. Denn wenn dich ständig jemand lobt, damit du dich halbwegs okay fühlst, kompensierst du damit nur, dass du dich eigentlich gar nicht okay fühlst und zusätzlich wirst du auch noch abhängig von demjenigen, der dich lobt und bestätigt. Es gibt nur eine einzige Motivation in deinem Leben, die dir etwas bringt, die hilfreich ist und die kommt aus dir. Die benötigt keine externe Quelle und zu der musst du dich noch nicht einmal selbst motivieren. Diese Motivation ist dein Drang, dein Spaß, deine Lust, etwas zu machen. Spaß meine ich in diesem Zusammenhang nicht, dass jeder einzelne Schritt Spaß machen muss, sondern es ist eher eine Lust auf die Erfahrung. Teile dieser Erfahrung können auch keinen Spaß machen. Das ist überhaupt kein Problem. Denn niemand zwingt dich dazu, keine äußere Kraft wirkt auf dich ein. Du bist auf niemanden angewiesen, dich zu motivieren. Alles kommt aus dir. Nur wenn das, was von dir kommt, von außen, von anderen eingeschränkt wird, entsteht der Bedarf, dass du motiviert wirst, weil du deinem inneren Drang nicht mehr vertrauen kannst. Man hat dir ja gesagt, er sei schlecht oder nicht hilfreich. Damit kann man kein Geld verdienen. Damit schadest du anderen. Was auch immer. Es gibt viele Erklärungen und Begründungen, warum du deinem Drang nicht folgen durftest. Dieser Drang ist aber nicht destruktiv. Er entsteht aus deinem eigenen Interesse. Man redet dir also dein eigenes Interesse aus, das aus dir selbst entsteht, lässt dich das nicht machen, was du machen willst und versucht dich dann zu motivieren. Das ist so absurd. Wenn du das mal sehen kannst, dass es in deinem Leben tatsächlich so ist, kannst du eigentlich nur noch den Kopf schütteln, was sich diese Typen, die dir das angetan haben, dabei gedacht haben. Sehr wahrscheinlich nichts beziehungsweise etwas Automatisiertes, etwas Programmiertes. Und je nachdem, wie intensiv du dressiert wurdest, desto kürzer oder länger braucht deine Deprogrammierung und das kann mitunter ein harter und intensiver Prozess sein. Menschen werden dir sagen, dass du jetzt wieder in der Pubertät bist oder nie rausgekommen. Sie werden verurteilen, was du tust. Und sie werden dir Misserfolg garantieren. Anfangs wird das auch so aussehen, als hätten sie recht. Sie sprechen nur aus dem Standpunkt ihrer eigenen Dressur und können gar nichts anderes sehen. Das ist auch nicht weiter schlimm. Du brauchst nur Beständigkeit und Hartnäckigkeit ihren Programmen gegenüber. Du darfst einfach nicht davon ausgehen, dass sie es besser wissen. Sie wissen es nicht besser. Wenn sie es wirklich besser wüssten, würden sie dir nicht reinreden. Denn sie würden sehen, dass du auf dem Weg in die Freiheit bist. Vor allem aber hätten sie keine Angst um dich, weil ihr Weg in die Freiheit ganz ähnlich verlaufen ist. Nicht von der Geschichte, sondern von den inneren Umständen und auch von den äußeren Beeinflussungen. Sie würden sehen, dass es wertvoll war, dass sie ihren eigenen Weg gegangen sind und dass es deshalb auch für dich wertvoll sein muss, wenn du deinen eigenen Weg gehst und die Dressur verlässt. Ab diesem Zeitpunkt kann dir niemand mehr drohen. Du bist nicht mehr anfällig für Erpressung. Es kann dir aber auch niemand mehr Honig ums Maul schmieren, denn du bist nicht mehr anfällig für Lobhudelei. Du brauchst keine Unterstützung von außen mehr, denn all deine Unterstützung kommt von innen.