Erwachen ist die Erkenntnis, dass alles in dir stattfindet. »Woke« ist das Gegenteil davon. Und das Gegenteil davon ist die Annahme, dass andere für meine Gefühle verantwortlich sind. Es ist die Idee, dass die Gefühle aus diesem Moment entstehen und dass derjenige, der diese Gefühle verursacht, der Verantwortliche ist. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein als diese Annahme. Du fühlst immer die Gefühle deiner Kindheit. Seit deiner Kindheit sind diese Energien und auch Energieblockaden in dir. Bestimmte Gefühle konntest du als Kind körperlich nicht fühlen. Du musstest sie verdrängen. Sobald du in der Lage bist, sie zu fühlen, brauchst du wieder äußere Auslöser dafür. Die Idee, dass dieser Auslöser auch verantwortlich und schuld ist an deinen Gefühlen, ist eine Fehlinterpretation, die nur möglich ist, wenn du gerade nicht bewusst bist. Jedes einzelne Gefühl, das du als Erwachsener fühlst, kennst du bereits. Es ist kein neues Gefühl, es ist altbekannt. Und du hast bisher alles getan, um diese Gefühle zu verdrängen. Wenn sie durch andere ausgelöst werden, dann ist das eine riesengroße Chance, so unangenehm das auch sein mag und so gefährlich es auf dich wirkt. Es ist eine Chance und du müsstest eigentlich dankbar sein. Verständlicherweise sind wir das nicht. Aber durch Gefühle angeregt könnten wir uns auf das Abenteuer einlassen, herauszufinden, was es mit ihnen tatsächlich auf sich hat und wie wir funktionieren. Dabei könnten wir entdecken, dass alles in uns stattfindet. Alles, was uns betrifft, findet in uns statt und hat mit uns zu tun. Nicht mit den anderen. Die Entwicklung, den anderen für unsere Gefühle verantwortlich zu machen, ist nicht neu. Neu ist nur die Art und Weise oder der Bereich beziehungsweise das Thema. Die Struktur der Programmierung, die Struktur des Verstandes bleibt immer gleich. Die Struktur des Erwachens auch. Erwachen ist nach innen gerichtet, Verstand nach außen. Die scheinbar bequemere Variante, nach außen gerichtet zu sein, ist diejenige, die uns gefangen hält in dem ewig gleichen Kreislauf. Jemand löst ein Gefühl in uns aus, dieses Gefühl wollen wir nicht fühlen, deshalb beginnen wir, automatisiert zu denken und zu handeln. Dadurch werden neue Gefühle ausgelöst, die wir wieder nicht fühlen wollen und so drehen wir uns im Kreis. Tatsächlich denken und handeln gar nicht wir, sondern wir werden gedacht und wir werden gehandelt. Wir können gar nicht anders. Wir können nicht anders reagieren, als zu denken und zu handeln und dadurch unsere Gefühle zu unterdrücken. Das sind aber nicht unsere Gedanken. Etwas, das du nicht stoppen und nicht ändern kannst, kann gar nicht deines sein, aber du hast erst einmal überhaupt keinen Einfluss darauf. Es ist vollkommen automatisiert. Du reagierst. Du reagierst übrigens auch dann, wenn du dich verschließt. Das ist nicht das, was gemeint ist mit 'nach innen gehen'. Das ist auch automatisiert und auch programmiert. Es gibt einen dritten Weg und der ist, alle deine Gefühle als Empfindung in deinem Körper wahrzunehmen und nichts zu erwarten.