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    26.7.2022AQ 1705
    »Wir fallen immer wieder auf den gleichen Trick rein: Woanders ist es besser.«
    0:008:49
    Wir fallen immer wieder auf den gleichen Trick rein: Woanders ist es besser. Es ist einer der fiesesten Tricks unseres Verstandes. Denn dadurch können wir niemals im Moment sein und wir können niemals zufrieden sein. Denn wir gehen immer davon aus, dass es irgendwo, wo wir jetzt gerade nicht sind, besser sein könnte. Vollkommen egal, ob das ein Zustand mit mehr Geld ist oder mit mehr Drogen, mit mehr Freude oder ein anderer Partner, ein anderer Wohnort, ein luxuriöserer Wohnort, ein sonnigerer Wohnort, ein wolkigerer Wohnort, ein wärmerer, ein kühlerer und so weiter. Vollkommen egal, was das ist. Natürlich auch ein schönerer Arbeitsplatz, ein besserer Chef, ein tolleres Arbeitsumfeld, nettere Kollegen. Vollkommen egal, was. Es ist immer der gleiche Trick: Woanders oder etwas anderes könnte besser sein. Und das bringt dich regelmäßig und konstant aus dem Moment. Dadurch erlebst du den Moment nicht, wie er wirklich ist, sondern als eine Art Hypothese beziehungsweise in der Distanz von dir. Hypothese deshalb, weil du ja hypothetisch denkst. Du denkst: »Ah ja, es könnte sein, dass es woanders besser ist!« Ja, kann immer sein, ist möglich. Bringt dir aber gar nichts, denn du bist jetzt gerade nicht woanders. Und deine Situation ist auch nicht anders. Sie ist, wie sie jetzt ist. Und du kannst dieser Situation nichts hinzufügen. Du kannst nichts an ihr verändern. Der Veränderungswunsch durch die Idee, dass etwas anderes besser sei, ist das grundlegende Problem. Ich weiß, dass dir eine ganze Menge Leute etwas anderes erzählen. Die sagen dir: »Deine Wünsche sind unfassbar wichtig!« Und die verstehen nicht, dass diese bescheuerten Wünsche aus einem bescheuerten Verstand entstehen. Und sie verstehen auch nicht, dass Herzenswünsche wirklich von einem ganz anderen Ort kommen und die können nichts mit Erfolg, Geld, was auch immer du noch verbessern kannst, zu tun haben. Diese Wünsche haben eine vollkommen andere Qualität und es sind nicht die Wünsche, die du bisher kennst. Denn alle bisherigen Wünsche haben dich gestresst und unter Druck gesetzt. Dein Herz setzt dich nicht unter Druck und stresst dich nicht. Bei mir sind alle Wünsche weggefallen beziehungsweise bewusst geworden und in der Bewusstheit kann ich meine verrückten Wünsche gar nicht aufrechterhalten, weil ich merke, wie sehr mich diese Wünsche stressen. Und wie sehr ich mich stressen müsste, um sie zu erreichen. Und ich weiß: »Stress ist nicht der richtige Wegweiser.« Das heißt nicht, dass ich untätig rumsitze. Aber alles, was ich mache, mache ich so gut wie möglich stressfrei. Sobald ich merke, dass sich Stress entwickelt bei einer Tätigkeit, ganz egal, was das ist, muss ich aufhören. Und schrägerweise hat das etwas mit Disziplin zu tun und zwar genau mit der gegenteiligen Art von Disziplin, die wir gewohnt sind. Normalerweise disziplinieren wir uns selbst und andere, indem wir versuchen, härter zu arbeiten, dran zu bleiben, nicht aufzugeben, nicht nachzulassen und eben uns selbst unter Druck zu setzen. Meine Disziplin ist eine vollkommen andere. Meine Disziplin ist, diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Denn er hilft dir nicht. Und seltsamerweise ist für diese Unterbrechung auch eine Art Disziplin notwendig, nämlich etwas sein lassen zu können, etwas nicht machen zu können, obwohl es möglich wäre. Allerdings nur unter Druck und mit Stress. Und das zu erkennen und dann aufzuhören, ist eine ganz seltsame Art und Form der Disziplin. Die Disziplin, die wir kennen, hat mit Härte uns selbst gegenüber zu tun und die bringt dich nirgendwohin. Diese Härte ist der Grund, warum die Welt in dem Zustand ist, in dem wir uns befinden. Erst wenn du die Disziplin entwickelst, diese Härte dir selbst gegenüber sein zu lassen, erst wenn du aufhörst, dich selbst unter Druck zu setzen, obwohl du es so gewohnt bist, wirst du die Lüge deines Verstandes »Woanders ist es besser!« oder auch »Anders wäre es besser!« erkennen und entlarven. Und je öfter du sie erkennst und entlarvst, desto freier wirst du von ihr.