Es nützt nichts, wenn andere dich sehen können. Du musst dich selbst sehen. Deshalb bringt es auch nichts, wenn du sichtbar wirst für andere. Du musst nur für dich selbst sichtbar werden und das ist nichts, was außerhalb von dir stattfindet. Dieser Prozess geschieht in dir. Dieser Prozess hat auch mit keiner Handlung, mit keinem Programm, mit keiner Challenge und sonst irgendeinem Blödsinn zu tun. Dieser Prozess hat damit zu tun, dass du dir selbst gegenüber ehrlich wirst. Sonst nichts. Auf diesem Weg findest du heraus, wie du bisher dich und damit natürlich auch andere belogen hast, wie du Ausreden und Erklärungen gesucht hast, die überhaupt nicht wahr sind. Und das sogar in Fällen oder Situationen, in denen du dachtest, du würdest die Wahrheit sagen. Du konntest die Wahrheit aber gar nicht sagen, weil du so sehr daran gewöhnt bist zu lügen. Und damit meine ich nicht diejenigen Lügen, die du kennst, sondern die dir unbekannten Lügen. Zum Beispiel Begründungen, warum du etwas willst oder warum du etwas nicht willst. Du hast als Kind gelernt, rationale Erklärungen für deine Emotionen zu finden. Deine Emotionen sind dein Navigationssystem und deine Intuition spricht nicht rational, sondern emotional mit dir. Da dein Umfeld aber von dir verlangt hat, dass du auf deine Intuition beziehungsweise für deine Intuition eine rationale Begründung findest, musstest du beginnen zu lügen. Das war dir bis heute sehr wahrscheinlich noch gar nicht bewusst. Du hast Ausreden erfunden, zum Beispiel: »Ich habe keine Zeit.« Tatsächlich hättest du sagen müssen: »Ich habe keine Lust.« Das wäre die Wahrheit. Keine Zeit gibt es nicht. Oder du hast gesagt: »Ich kann das nicht!« Was du nicht kannst, kannst du lernen. Du hättest sagen müssen: »Ich will das nicht. Ich habe keine Lust.« Das ist ehrlicher und das entspricht auch der Sprache deines Navigationssystems. Deine Emotionen sind dafür da, damit du dich in dieser komplexen Welt, komplex natürlich nur, wenn du sie rational betrachtest und im Verstand bist, zurechtfindest. Und über die Emotionen findest du dich sehr, sehr einfach zurecht. Dazu musst du aber lernen, den Verstand und deine gelernten Ausreden, Begründungen und Lügen zu ignorieren. Wenn du das schaffst, dann beginnst du, dich selbst so zu sehen, wie du wirklich bist. Nämlich ein emotional gesteuertes Wesen und ein intuitives Wesen. Ein Wesen, das man weder überzeugen noch überreden braucht, weil es selbst sehr genau weiß, was es will. Dieses Wissen und dieses Wollen sind aber weder ein Wissen noch ein Wollen, sondern es ist deine Intuition, dein Gefühl. Und auf dieses Gefühl kannst du dich verlassen. Selbst auf die Gefahr hin, dass du falschliegst. Denn dieses Falsch ist ein Urteil und dieses Urteil kann nur aus der Betrachtung von außen getroffen werden. Und es ist meistens auch ein programmiertes Urteil, zum Beispiel in Form einer Standardmeinung zu bestimmten Themen oder Situationen, die Menschen annehmen. Und von wem nehmen sie diese Meinung an? Natürlich von ihrem Umfeld, von den primären Bezugspersonen ihrer Kindheit. Wir plappern einfach alles nach und wir übernehmen die Meinungen der anderen und daraus entstehen unsere Urteile darüber, wie andere sein sollten. Und wenn du in der Lage bist, dich von diesen Urteilen freizumachen, nicht mehr daran zu denken, was könnten die anderen denken und falls doch Gedanken aufkommen, diese zu ignorieren, auch dann kommst du näher zu dir. Auch dann siehst du dich selbst besser. Du kannst dann nämlich sehen, dass du dich nur erklären und verteidigen würdest aufgrund von Gedanken und Ideen. Und selbst wenn die anderen diese Verteidigung und Erklärung von dir erwarten, kannst du dich verweigern. Das nennt man Freiheit. Und diese Freiheit kannst du leben. Und zwar selbst dann, wenn andere deshalb durchdrehen. Auch diese Erfahrung, dass andere durchdrehen, weil du ihnen keine für sie angenehme Begründung lieferst, hilft dir, dich selbst zu sehen. Es hilft dir wahrzunehmen, ab welcher Intensität zum Beispiel oder ab welchem Grad an Vorwürfen du einknicken würdest und eine gesellschaftlich akzeptierte Erklärung abliefern würdest. Und so lernst du immer mehr, dass es nichts bringt, wenn andere dich sehen können. Und zwar vollkommen unabhängig davon, wie sie dich sehen, ob sie dich positiv sehen oder negativ. Die meisten Menschen sind ja sehr einfach gestrickt. Die sehen dich positiv dann, wenn du ihrer Programmierung entsprichst und negativ dann, wenn du ihr nicht entsprichst. Und die wollen gar nichts erleben, was ihre Programmierung durcheinander bringt, denn das gefährdet ja ihre scheinbare Stabilität, das sogenannte Ego. Die einzige Sichtbarkeitschallenge, die etwas bringt, ist, wenn du dich von innen siehst. Jede andere Sichtbarkeit hat absolut keinen Wert, selbst dann nicht, wenn dir deine Sichtbarkeit sogar Geld, Aufmerksamkeit, Ruhm und Ehre bringt. All das wird dich nicht glücklich machen und es wird dich nicht zu dir selbst zurückbringen.