Wir erzählen das Leben vorwärts als Drama und rückwärts als Heldengeschichte. Den Sinn gibst du deiner Geschichte immer im Nachhinein. Währenddessen macht alles keinen Sinn und oftmals bist du dabei sogar im Drama. Heldengeschichten stimmen nur, wenn du sie rückwärts erzählst. In deinem Erleben war es das Gegenteil. Aus diesem Umstand lässt sich übrigens auch eine Marketingmethode ableiten. Du findest sie an jeder Ecke. Jeder, der dir helfen will, muss dir deshalb erzählen, wie scheiße sein Leben früher war und wie unfassbar genial es jetzt ist. Als ob das erstens stimmen könnte und als ob es zweitens notwendig wäre. Es stimmt nicht und es ist nicht notwendig. Das Einzige, was notwendig ist, ist Bewusstsein. Mit Bewusstsein kannst du diesen Mechanismus in dir erkennen und dir selbst gegenüber zugeben. Und wenn du das kannst, kannst du sehr wahrscheinlich auch darüber lachen. Und selbstverständlich ist es überhaupt gar nicht schlecht, einer Geschichte, etwas, das du erlebt hast, etwas Positives abzugewinnen. Aber dann kannst du dir auch die Fragen stellen: Geht das wirklich erst immer hinterher? Muss erst eine Zeit vergehen, bevor das möglich ist? Oder könnte es sein, dass das, was du im Nachhinein positiv interpretierst, jetzt, während du eine neue Geschichte erlebst, auch schon da ist? Und warum erzählen wir uns dann die aktuellen Geschichten als Drama? Kann es sein, dass wir uns damit unnötigerweise wichtig machen? Und ist es möglich, dass das ein gelerntes Verhalten von uns ist? Kann es sein, dass wir das beobachtet haben und wir gemerkt haben, dass diejenigen, die Drama kreieren, viel Aufmerksamkeit bekommen? Es geht im Nachhinein nicht darum, ob deine Geschichte, dein Erleben ein Drama oder eine Heldengeschichte war. Es geht jetzt nur darum, ob du es wagst — vollkommen egal, was das ist. Ob du bereit bist, ein Risiko einzugehen, um pur und authentisch zu leben. Oder ob du jede noch so kleine Hürde dramatisierst und dich darüber beschwerst, um dann hinterher sagen zu können, was für ein toller Hecht du warst. Oder natürlich auch, wie schlimm alles war. Es gibt alle Varianten. Die einen erzählen erst ein Drama, dann eine Heldengeschichte. Die anderen bleiben immer beim Drama und wieder andere erzählen ständig Heldengeschichten. Jede dieser Varianten entspricht nicht der Wahrheit, entspricht nicht dem, was du wirklich erlebt hast. Jede dieser Varianten wird im Kopf kreiert. Wenn du selbst damit aufhörst, brauchen es auch andere für dich nicht mehr machen. Du verstehst sie ohne Drama und auch ohne Heldengeschichte. Du verstehst sie, weil du dich selbst verstehst.