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    16.7.2022AQ 1695
    »Unser Verstand versucht, aus jeder Erfahrung etwas Konstantes zu machen.«
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    Unser Verstand versucht, aus jeder Erfahrung etwas Konstantes zu machen. Deshalb stellt er sich in den Weg, sobald sich etwas verändert. Und selbstverständlich wünscht er sich ganz dringend Veränderung in genau demjenigen Bereich, in dem sich gerade nichts verändert. Also wenn es sich verändert, ist es nicht recht und wenn es sich verändert, stellt er sich auch in den Weg. Dem Verstand ist es einfach nie recht. Nichts ist wirklich gut genug und so wie es jetzt gerade ist, ist es nicht in Ordnung. Es gibt nur ein paar wenige Ausnahmen. Wenn du zum Beispiel etwas erreicht hast, worauf du lange hingearbeitet hast, dann ist es für einen kurzen Moment okay. Und selbst wenn es in diesem Bereich für einen kurzen Moment oder sogar länger okay oder sogar richtig gut ist, findet er ganz schnell andere Bereiche, in denen es nicht so gut läuft. Und ganz egal, was genau unsere Erfahrung ist, der Verstand versucht, etwas Konstantes daraus zu machen. Wenn die Erfahrung gut ist, will er mehr davon. Er will eine möglichst lange Erfahrung davon oder möglichst viele Erfahrungen davon. Und wenn die Erfahrung schlecht ist, mit unangenehmen Gefühlen verbunden ist, dann tut er so, als würde diese Erfahrung für immer dauern. In deinem Leben hat aber noch keine einzige Erfahrung für immer gedauert. Jede Erfahrung ist gekommen und wieder vergangen. Nur dein Verstand hat kommentiert und hat gesagt: »Mm, das dauert mir jetzt aber zu lang hier! Ich will weiter. So lange krank sein, das ist doch blöd!« Oder er hat gesagt: »Mm, so eine schöne, süße Erfahrung, von der will ich mehr. Wie kann ich mehr bekommen?« Und beides ist ein Trick deines Verstandes, denn keine Erfahrung dauert für immer. Und selbst diejenigen Erfahrungen, die er als "zu lange" interpretiert, sind ganz unterschiedlich. Aber auch die schönen Erfahrungen, die er gerne wiederhaben möchte, auch die sind unterschiedlich. Im Lauf der Zeit gewöhnst du dich an bestimmte Erfahrungen und sie verändern ihre Qualität. Die erste Achterbahnfahrt ist etwas anderes als die hundertste. Das heißt nicht, dass die hundertste keinen Spaß mehr machen kann, aber sie ist anders. Und genauso ist es mit den schlechten Erfahrungen. Das heißt nicht, dass sie nicht mehr schlecht sind, aber sie sind anders. Und je genauer du das untersuchst, desto weniger wirst du unterscheiden können zwischen guter und schlechter Erfahrung. Doch dazu musst du sehr genau untersuchen und du musst bereit sein, sehr genau hinzuschauen und vor allem hinzufühlen. Und du musst ehrlich erkennen können, was sich im Lauf einer guten oder schlechten Erfahrung verändert. Also zum Beispiel etwas, das dir anfangs noch unfassbar viel Angst gemacht hat, wenn du das gefühlt hast und im Lauf der Jahre immer besser wurdest darin, das zu fühlen, zu merken, dass es dir jetzt gar keine Angst mehr macht. Das Gefühl ist zwar noch da, aber du hast die Kapazität entwickelt, die Weite, das in dir zuzulassen. Und diese Fähigkeit, das zuzulassen, hat alles verändert. Deine Haltung zum Problem, deine Haltung zum Schmerz. Und manche Dinge, die anfangs noch total schwer zu verkraften waren, mit Angst besetzt waren, machen dir einfach gar nichts mehr. Sie sind zwar noch da, du kannst sie wahrnehmen, aber es regt sich nichts mehr in dir. Du kriegst keine Panik mehr oder keine Angst mehr. Es ist ein natürlicher Bestandteil deines Lebens geworden. Und das ist etwas vollkommen anderes als Verdrängung. Das ist Integration. Und wenn du etwas integriert hast, dann kann dir dein Verstand keine Angst mehr davor machen. Auch nicht damit, dass er dir sagt: »Das dauert für immer.«