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    2.7.2022AQ 1681
    »Vertraue der Wissenschaft!«
    0:007:21
    »Vertraue der Wissenschaft!« ist ein Widerspruch. Vertrauen ist das Gegenteil von Wissenschaft. Das Hauptmerkmal von Wissenschaft ist, dass du alles in Frage stellst. Das ist die wissenschaftlichste aller Methoden und auch die am wenigsten angewandte Methode. Das hat damit zu tun, dass wir bestimmte Dinge für gegeben halten wollen oder müssen. Wir denken, ein Problem oder ein Thema sei längst geklärt. Wenn wir in der Wissenschaft davon ausgehen, dass etwas längst geklärt ist und wenn wir vor allem davon ausgehen, dass die Grundlagen längst klar sind, dann passiert etwas, wovon du zu 100 % ausgehen kannst, dass es bereits passiert ist. Falls die Grundlagen nämlich nicht geklärt sind und wir es übersehen, dann ist alles, was darauf aufbaut, falsch. Die wissenschaftlichste Methode ist gleichzeitig die spirituellste. Du hinterfragst alles. Sogar den, der hinterfragt. Wahrhaftige Wissenschaft ist immer Spiritualität. Um dabei nicht verrückt zu werden, musst du so lange anzweifeln, bis du etwas gefunden hast, das du nicht mehr anzweifeln kannst. Das muss jeder für sich selbst tun. Dazu gibt es keine Anleitung und auch kein Ergebnis. Und dazu musst du ganz sicher deinen programmierten Verstand verlassen, denn den gilt es auch anzuzweifeln. Echte Wissenschaft ist eine Kunstform. Sie gelingt nur dann, wenn du bereit und in der Lage bist, alles zu untersuchen. Solange es auch nur einen Bereich gibt, in dem du nicht bereit bist, alles zu untersuchen, kannst du kein Wissenschaftler sein. Wissenschaftler müssen bereit sein, ihre Programmierung, ihre Ego-Struktur und ihre Ängste sehr genau zu untersuchen. Denn ohne diese Untersuchung bleiben sie steuerbar. Steuerbar durch Angst. Und ein Wissenschaftler, der steuerbar ist, kann keine Wissenschaft mehr betreiben, denn er dient nicht mehr der Wissenschaft, sondern demjenigen, der ihn steuert. Zeig mir einen Wissenschaftler, der seine Ängste kennt und der seine Ängste untersucht hat und ich zeige dir einen guten Wissenschaftler. Er ist nicht deshalb gut, weil er immer recht hat oder immer richtig liegt und immer die absolut richtigen Erkenntnisse hat. Er ist gut, weil er sich selbst kennt und weil er im Idealfall keine Angst davor hat, Fehler zu machen und gegen den Strom zu schwimmen. "Vertraue der Wissenschaft!" ist aber nicht nur ein Widerspruch. Du sollst etwas einfach glauben und nicht selbst überprüfen. Es ist eine faschistische Methode, bei der eine kleine Elite beansprucht, die Wahrheit zu besitzen oder die Wahrheit zu kennen und von allen anderen fordert, ihnen blind zu vertrauen. Es gibt keine Wissenschaft, die ein einheitliches Ergebnis liefert. Verschiedene Disziplinen widersprechen sich. Und außerdem ist Wissenschaft immer von den Wissenschaftlern abhängig, dem eigentlichen Untersuchungsgegenstand. Und da das natürlich kein Gegenstand ist, ist Wissenschaft so komplex und tatsächlich gar nicht möglich. Wissenschaft ist immer die Reflexion der eigenen Entwicklung. Der Entwicklung des Wissenschaftlers.