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    29.6.2022AQ 1678
    »Es liegt nichts zugrunde, sondern es liegt was im Weg.«
    0:005:59
    Es liegt nichts zugrunde, sondern es liegt was im Weg. Die meisten spirituellen Erklärungen sind wie psychologische Erklärungen. Wir versuchen herauszufinden, woran etwas liegt. Wir wollen wissen, was unserem Verhalten zugrunde liegt. Wir wollen herausfinden, warum wir so sind, was dazu geführt hat und was immer noch dazu führt, dass wir uns so fühlen und so verhalten. Der Trick an dieser psychologischen Detektivarbeit ist aber ein ganz fieser. Wir sind nicht angetrieben von Neugier beziehungsweise die Neugier, von der wir angetrieben sind, hat einen ganz anderen Hintergrund und zwar den, dass wir, wenn wir herausfinden, warum wir so sind, das auch ändern möchten, damit wir uns nicht mehr so fühlen und nicht mehr so verhalten, wie wir es aktuell tun. Wir wollen es weg machen, unsere Gefühle und unser Verhalten. Wir wollen besser werden. Vom Prinzip her, wenn wir ehrlich sind, wollen wir weniger berührbar werden, weniger emotional. Wir wollen weniger fühlen und mehr erreichen. Und das bedeutet immer, dass wir mit dem, wie es jetzt gerade ist, nicht einverstanden sein können und vor allem nicht einverstanden sein wollen. Wir wollen es anders. Es ist nicht gut, so wie es jetzt gerade ist. Und dieser Widerstand zu diesem Moment liegt uns im Weg. Wenn wir bereit wären, diesen Widerstand zu fühlen und diesen Moment so anzunehmen, wie er ist, dann müssten wir nicht mehr suchen, was unseren Gefühlen und unserem Verhalten zugrunde liegt. Wir könnten noch suchen, einfach nur aus Neugier, Spaß an der Sache. Aber das ist natürlich trickreich, denn der Verstand erzählt dir notfalls auch, dass du das ja nur aus Neugier machst und dass er dich ja überhaupt gar nicht verändern möchte und dass du ruhig so sein kannst, wie du bist. Du musst tatsächlich nicht wissen, was deinem Verhalten und deinen Gefühlen zugrunde liegt. Genau genommen kannst du es gar nicht wissen. Was du aber kannst, ist zu schauen: Was liegt im Weg, wenn du diesen Moment so annehmen möchtest, wie er ist? Welche Gedanken verhindern das? Und welche Körperempfindungen möchtest du nicht fühlen? Das, was im Weg liegt, ist immer eine Körperempfindung und die kannst du nicht wegmachen. Gedanken führen zu nichts. Sie helfen dir nicht, Körperempfindungen zu verarbeiten. Lass die Gedanken weg, die spielen keine Rolle. Dein Verstand will in diesem psychologischen Spiel bleiben und alles erklären. Es geht nicht darum, alles erklären zu können. Es geht darum, alles fühlen zu können.