Es gibt keine Beweise. Es gibt nur das, was du hören willst und das, was du nicht hören willst. Auch das konntest du in den letzten zweieinhalb Jahren sehr gut nachvollziehen. Bei dir und bei anderen. Ein Beweis hat mit deiner Bereitschaft zu tun, etwas zu glauben. Beziehungsweise besser gesagt, die Grundlage für einen Beweis ist deine Bereitschaft, etwas zu glauben. Fragst du entweder nach etwas, das dein Glaubenssystem bestätigt, oder nach etwas, das dein Glaubenssystem erschüttert? Die meisten Menschen fragen nach etwas, das ihr Glaubenssystem bestätigt. Sie wollen eine Bestätigung dessen, was sie bereits glauben. Wenn du nach Beweisen fragst, fragst du also gar nicht nach Beweisen, sondern entweder nach Weltbildbestätigungen oder nach Weltbilderschütterungen. Da unsere Kapazität für Weltbilderschütterungen durch unseren Emotionalkörper beschränkt ist, fragen wir meistens nach Bestätigungen. Weltbilderschütterungen können wir nur schwer verarbeiten. Sie bräuchten eine emotionale Arbeit als Voraussetzung. Wenn dein Weltbild erschüttert wird, dann fühlt es sich manchmal so an, als würde dir der Boden unter den Füßen weggezogen. Und dieses Gefühl wollen wir intuitiv vermeiden. Deshalb fragen wir nach Beweisen, die diese Gefühle nicht auslösen und deshalb akzeptieren wir auch nur Beweise, die diese Gefühle nicht auslösen. Die Meinung, dass es absolute und ultimative Beweise gäbe, kann man nur haben, wenn man von etwas sehr stark überzeugt ist. Das bedeutet umgekehrt aber überhaupt nicht, dass man keine Meinung haben darf oder dass man nicht intuitiv wissen kann, was zu tun ist. Es bedeutet nur, dass man gar nicht versuchen braucht, andere Menschen durch Beweise zu überzeugen. Die einzige Möglichkeit, Menschen zu überzeugen, ist ihre eigene emotionale Arbeit. Und die setzt ihre Bereitschaft voraus, die niemand machen kann, die muss ihnen geschehen. Erst wenn der Emotionalkörper in der Lage ist, viele verschiedene sogenannte Meinungen oder Richtungen zu ertragen, also zu fühlen, im Körper wahrzunehmen und dadurch die Angst zu fühlen, die damit verbunden ist, wenn etwas zusammenbricht, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, wenn man scheinbar keinen Halt mehr hat, erst wenn man all das bereit ist zu fühlen, ist man überhaupt in der Lage, eine neue Meinung zuzulassen oder eben auch Beweise zuzulassen, die man bisher ignoriert hat oder verspottet hat sogar. Du kannst das ganz einfach überprüfen. Wie oft hast du in den letzten zweieinhalb Jahren gedacht: »Mit dieser Information, mit diesem Beweis müssten es doch jetzt alle verstehen, worum es wirklich geht.« Und nie hat dieser neue Beweis dazu geführt, dass jemand seine Meinung geändert hat. Das Einzige, was zur Änderung der Meinung führt, sind emotionale Prozesse.