Wer nicht fühlen will, muss denken. Gedanken sind ein Schutzmechanismus vor intensiven Gefühlen und das Zitat ist natürlich abgeleitet von dem Spruch »Wer nicht hören will, muss fühlen.« Doch mit diesem Fühlen meint keiner dasjenige Fühlen, das ich meine. »Wer nicht hören will, muss fühlen« meint, er müsse die Konsequenzen seines Handelns fühlen oder seines Nichthandelns oder seiner Ignoranz, seiner Dummheit, seiner Naivität. Und das ist natürlich mächtig überheblich, denn woher sollten wir wissen, was genau die Konsequenzen sind? Natürlich gibt es ein paar sehr einfache Konsequenzen, die ziemlich klar sind, aber um die geht es meistens nicht. Es geht meistens um die eingebildeten Konsequenzen, um diejenigen Konsequenzen, die man vermutet oder vor denen man warnen möchte, weil man selbst Angst davor hat. Und da würde sich eigentlich die Frage stellen: »Warum hat man Angst davor? Ist diese Konsequenz wirklich so schlimm oder könnte es sein, dass diese Konsequenz nur eine Veränderung bringt, die man nicht möchte, was aber nicht bedeutet, dass die Veränderung schlecht ist?« Und alle anderen Konsequenzen, um die es in diesem Spruch gehen kann, sind ausgedachte beziehungsweise gemachte Konsequenzen, zum Beispiel von Eltern, die ihre Kinder schlagen und die damit nur sagen wollen: »Wenn du das, was ich dir sage, nicht machst, dann hau ich dir eine runter!« Und sie verschweigen dabei natürlich, dass das keine echte Konsequenz ist, denn sie müssten das nicht tun. Und natürlich hat das Kind dann etwas zu fühlen, nämlich den Anfall seiner Eltern, die Unfähigkeit der Eltern, ihre Gefühle zu fühlen, denn nur derjenige, der seine Gefühle nicht fühlen kann, wird gewalttätig. Ich meine das natürlich vollkommen anders. Ich beschäftige mich nicht mit ausgedachten oder erfundenen Konsequenzen oder mit Konsequenzen, vor denen ich Angst habe, denn ich bin bereit und in der Lage, diese Angst zu fühlen, statt sie auf dich zu übertragen. Ich meine damit, wer nicht in der Lage ist, seine Körperempfindungen wahrzunehmen ist gleich zu fühlen, der muss denken und anschließend unter Umständen, wenn es blöd läuft, deshalb aufgrund der Gedanken auch handeln. Und natürlich gibt es auch die Variante ‘Wer nicht fühlen will, muss handeln!’. Es gibt bestimmte Gefühle, die sind so tief vergraben in uns beziehungsweise der Schutzmechanismus ist so stark, die Programmierung ist so intensiv, dass wir reflexartig handeln. Das bedeutet aber auch, immer dann, wenn du in der Lage bist, im Körper zu fühlen, musst du keine Übersprungshandlung vollziehen und du musst auch keinen Übersprungsgedanken denken. Das passiert dir nur, wenn du nicht bereit bist zu fühlen. Und während natürlich viele Menschen über Gefühle sprechen und wie sie diese Gefühle fühlen, wissen die wenigsten Menschen, dass es eine Körperempfindung gibt und dass Gefühle jenseits des Verstandes stattfinden und dass man das auch gar nicht näher definieren braucht, man muss auch nicht unterscheiden zwischen Gefühl, Emotion und was es da sonst noch an Begrifflichkeiten geben mag, es genügt, wenn du unterscheiden kannst zwischen einem Gedanken und einer Körperempfindung. Mehr gibt es nicht, auch wenn einige dir etwas anderes erzählen wollen und die wollen dann ihre Definitionen anbringen. Wenn du denkst ohne eine Körperempfindung, ist es kein Gefühl, sondern ein Gedanke. Und wenn du fühlst ohne einen Gedanken, dann ist es kein Gefühl, sondern eine Körperempfindung.