Nutze das Temporäre, um das Konstante zu finden. Es gibt vieles, was sich verändert oder was nicht du bist. Dein Alter, dein Körper, deine Erfahrungen. All das ist nicht konstant. Alles, was sich ändert, kannst du nicht sein. Es muss also etwas geben, das du bist und das schon immer konstant ist. Es kann auch nicht abhängig sein von Vorlieben, Meinungen und Gefühlen und selbstverständlich auch nicht von Gedanken. Der Verstand versucht immer, das Umgekehrte zu machen. Er möchte das Temporäre konstant machen. Er wünscht sich Konstanz im Temporären und das gibt es nicht. Deshalb muss dieser Versuch scheitern, egal wie oft und egal wie intensiv du es versuchst. Unser Verstand strebt danach, aus jeder Erfahrung etwas Konstantes zu machen. Deshalb stellt er sich in den Weg, sobald sich etwas verändert. Ganz egal, um welchen Bereich deines Lebens es sich handelt, privat oder beruflich, die Liebe deines Lebens, das perfekte Haus, der Traumjob, viel Geld oder auch jeder andere Lebensumstand, immer versuchen wir, aus dem Temporären etwas Konstantes zu machen. Das bedeutet, dass wir versuchen, alles zu überhöhen und währenddessen verstehen wir nicht, dass es temporär ist. Wir tun immer so, als wäre das, was wir anstreben, für immer. Und deshalb lässt sich der Verstand extrem leicht beeinflussen. Ich erzähle zum Beispiel in den Retreats einige Geschichten aus meinem Leben. Und so könntest du denken, es ginge um die Geschichten. Die Geschichten können sich aber verändern und du bist nicht deine Geschichte. Worauf ich mit einer Geschichte hinweisen will, ist das, was unverändert ist. Natürlich lässt sich der Verstand leicht ablenken und er springt auf die Geschichte auf, aber auch nur dann, wenn wir nicht aufpassen. Wenn uns das klar ist, dann ist die Geschichte nur ein Mittel zum Zweck. Du erkennst mithilfe des Temporären das Konstante. Das, was schon immer hier war, was sich auch nie verändert hat und nie verändern wird. Und das zu erkennen ist der Sinn unseres Lebens. Das ist das Einzige, worum es in diesem Leben geht. Und deshalb gibt es Temporäres. Dafür ist es gut. Denn wenn es sich verändert, kannst du es nicht sein. Ich versuche, alle temporären Geschichten zu nutzen, um auf das Konstante hinzuweisen. Jede Geschichte kann der Schlüssel sein zu dem, was konstant ist. Denn die Konstante fällt uns nicht auf, weil wir im Kopf leben. Der Verstand spricht und wir hören ihm zu und wir denken, wir sind unser Verstand. Das, was sich verändert, kannst du aber nicht sein und je tiefer das in dir ankommt, desto spiritueller bist du. Das kannst du aber nicht beweisen und das werden andere nicht verstehen. Es muss auch niemand verstehen. Denn Spiritualität ist kein Wettbewerb. Es ist höchst subjektiv, individuell, persönlich und intimer als intim. Mach nicht den Fehler, dass du es benennen willst. Versuche auch nicht, das Konstante zu sein. Das geht gar nicht, denn du bist es schon immer. Das wäre nur ein neuer Trick des Verstandes, der sich alles schnappt, um es zu erreichen. Du kannst es nicht erreichen. Du bist es schon. Ob du es willst oder nicht und ob du es erkennst oder nicht, es ist immer schon hier. Aber es gibt keinen Beweis dafür. Du kannst darüber nicht diskutieren, du kannst es nicht erklären, du kannst es nicht greifen. Du kannst es noch nicht einmal erleben. Denn alles, was du erlebst, ist temporär.