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    3.6.2022AQ 1652
    »Der hat ja den Verstand verloren!«
    0:007:24
    Niemand hat den Verstand verloren. Alle sind ihm zum Opfer gefallen. Wir beschreiben das, was wir beobachten, den Zustand der Welt und unserer Mitmenschen gerne mit diesem Satz »Der hat ja den Verstand verloren!« Tatsächlich ist er ihm zum Opfer gefallen, wie wir alle anderen auch. Es gibt dieses Zitat: »Der Verstand ist ein guter Diener, aber ein beschissener Herrscher.« Wir haben den Verstand zum Herrscher erkoren, aber mehr noch, wir sind dem Herrscher zum Opfer gefallen. Wir erkennen nicht mehr, dass wir ihn zum Herrscher erkoren haben und wir erkennen nicht mehr, dass er es ist, der herrscht. aber vor allem erkennen wir nicht, dass wir ihm nach wie vor die Macht geben. Damit er herrschen kann, muss er Macht bekommen und die bekommt er von uns. Immer mehr Menschen denken darüber nach, wie sie sich selbst und andere von der Tyrannei befreien können. Und das ist zunächst nichts Schlechtes, die Notwendigkeit zu erkennen. Echte Befreiung ist aber nur durch die Befreiung vom Verstand möglich. Deshalb bringt es leider nichts, wenn wir darüber nachdenken. Wir müssten erkennen, dass wir schon immer frei waren, dass wir diese Freiheit von niemandem bekommen können, dass uns diese Freiheit niemand geben kann. Wir müssen sie uns nehmen und im Wesentlichen geschieht das dadurch, dass wir die Tyrannen ignorieren. Der Verstand will das nicht einsehen. Der Verstand denkt: »Es muss einen kämpferischen Weg geben!« Und den gibt es auch und es kann auch sehr gut sein, dass der wieder einmal Realität wird. Das heißt aber nicht, dass sich dadurch irgendetwas verändert. Das gab es nämlich schon öfter und vielleicht hat es temporär etwas verändert. Aber anschließend sind wir wieder eingeschlafen und haben uns wieder einlullen lassen. Freiheit ist nur dort ein gern gesehener Gast, wo Menschen in der Lage sind, ihren Verstand zu ignorieren. Ihren Verstand und natürlich auch den Verstand der anderen. Und zwar selbst dann, wenn sie mal temporär nicht in der Lage dazu waren. Und eben nicht nachtragend zu sein, denn nachtragend zu sein ist eine der wesentlichen Strukturen des Verstandes. Einige Menschen erkennen das auch, aber auch da schleicht sich der Verstand wieder ein und sie sprechen dann gleich von Vergebung. Fang einfach mal damit an, nicht mehr nachtragend zu sein, bevor du diesen Wahnsinnsschritt der Vergebung gehen willst. Wenn du das machst, wirst du feststellen, dass Vergebung gar nicht mehr notwendig ist, wenn du nicht mehr nachtragend bist. Aber das will der Verstand nicht wahrhaben, der will immer Großes leisten. Er will, dass du ein großes Werk vollbringst. Dabei wäre es so viel einfacher, wenn du ihn einfach ignorierst.