Wir wünschen uns immer Massenbewegungen und wollen die wesentliche Masse dabei nicht bewegen: Uns selbst. Wir wünschen uns diese Massenbewegungen ganz besonders in Krisensituationen. Wir hoffen, dass die Bewegung von vielen Menschen zu einer Veränderung führt. Wir könnten aber in unserem eigenen Leben beobachten, dass die wesentlichen Veränderungen immer dann stattgefunden haben, wenn wir uns verändert haben. Vielleicht auch aufgrund einer persönlichen Krise. Diese Krise hat aber meistens nur uns oder unser engeres Umfeld betroffen, nicht die ganze Nation oder gar die ganze Welt. Falls eine Massenbewegung die Lösung wäre, würde das auch gar nicht so viel bringen. Denn selbst wenn sich einige Menschen durch diese Massenbewegung oder aufgrund dieser Massenbewegung persönlich und individuell verändern, gibt es vielen anderen die Möglichkeit, sich nicht wesentlich zu verändern. Sie machen einfach mit und sind gemeinsam mit anderen dafür oder dagegen. Sie erleben aber nicht die notwendige Transformation. Nur diese individuelle, persönliche Transformation ist ein Ergebnis, eine Verwandlung, die — Wie sagt man so schön? — nachhaltig ist. Nachhaltig im Sinn von anhaltend. Eine Veränderung, die wirklich etwas verändert. Du hast auch schon viele Veränderungen erlebt, die überhaupt nichts oder nur ganz wenig verändert haben in dir. Du hast zum Beispiel schon mal eine Gehaltserhöhung bekommen. Vielleicht hast du dich ein paar Tage oder sogar ein paar Wochen darüber gefreut und ganz schnell war das wieder normal und dann hast du die nächste Gehaltserhöhung angestrebt. Und so merken wir gar nicht, dass die erhoffte Veränderung gar nichts verändert. Und so ist es bei Massenbewegungen auch. Die Masse fordert etwas und selbst, wenn das dann erfüllt wird oder dem zugestimmt wird, hat sich nichts Wesentliches verändert. Denn es wurde etwas verändert, was außerhalb von dir liegt, nicht innerhalb von dir. Und ein Mensch, der zum Beispiel die Zustimmung von außen braucht, um frei zu sein, der wird nie frei sein. Er braucht diese Zustimmung von außen auch nicht, um frei zu sein, sondern um sich frei zu fühlen. Und das ist ein wesentlicher Unterschied. Wenn dein Gefühl von Freiheit von anderen abhängt, dann bist du unfrei oder auch ein Sklave. Und das kannst du jetzt auf alle Gefühle übertragen. Solange deine Gefühle von äußeren Umständen abhängig sind, bist du unfrei. Diese unsere Abhängigkeit ist auch der Grund dafür, warum wir uns eine Massenbewegung wünschen. Wir wollen nicht alleine an unserer Unfreiheit arbeiten. Wir wollen nicht alleine in die Freiheit gehen. Wir wollen alle anderen mitnehmen und wir wollen auch nicht alles alleine machen. Wir wollen nicht alleine dafür verantwortlich sein, dass wir diesen Schritt tatsächlich machen. Wir wollen unsere Angst nicht fühlen, die wir fühlen würden. Wir wollen die Konfrontationen nicht erleben und wir wollen das Risiko minimieren zu scheitern. Dieses Risiko ist aber Bestandteil des Weges. Ohne dieses Risiko ist es kein Weg in die Freiheit. Die Möglichkeit zu scheitern gehört immer dazu. Massenbewegungen, also kollektive Bewegungen, sind immer emotional gesteuert und sie können deshalb auch von außen emotional gesteuert werden. So kann die Richtung ganz leicht verändert werden und so kann auch die Stimmung ganz schnell verändert werden. Ein Mensch, der bereit ist, alle seine Gefühle zu fühlen, ist die Veränderung vor jeder Massenbewegung. Und der kann natürlich trotzdem bei einer Massenbewegung dabei sein, weil die Grundlage eine andere ist. Die Grundlage ist seine Freiheit.