Perfektionismus zu Beginn ist die Hölle. Sobald es gut läuft nur ein weiterer Spaß. Wenn du am Anfang stehst: Vergiss jeden Perfektionismus. Im Zweifel stehst du am Anfang und das ist doppeldeutig gemeint. Wenn du zweifelst, also wenn du dir nicht sicher bist, ob du am Anfang stehst oder nicht, dann geh einfach davon aus, dass du am Anfang stehst. Wenn du generell zweifelst. stehst du sowieso am Anfang beziehungsweise wenn du auf irgendeine Art und Weise zweifelst, geh einfach davon aus, dass du am Anfang stehst. Denn wenn du dich in der Energie des Zweifels befindest, stehst du am Anfang. Und wenn du zweifelst, ist Perfektionismus die Hölle. Wenn du nicht mehr zweifelst, ist Perfektionismus nur ein weiterer Spaß. Deshalb ist deine ehrliche Selbsteinschätzung, wo du gerade stehst, das Allerwichtigste. Und bei dieser Selbsteinschätzung hat unser Ego einen sehr fiesen Trick auf Lager. Es will nämlich nicht am Anfang stehen und das, obwohl es am Anfang viel viel leichter ist. Denn am Anfang darfst du Fehler machen. Am Anfang verlangt gar niemand von dir, dass du perfektionistisch bist oder dass alles immer perfekt läuft. Und wenn das niemand verlangt von dir, gibt es auch keinen Grund, dass du es von dir verlangst. Das heißt, ich sage nicht: »Du bist ein dummer Anfänger!«, sondern »Wie cool, dass du Anfänger bist!« Da musst du nicht perfekt sein. Und das gilt auch, wenn du in deinem Fachbereich oder in einem bestimmten Bereich gar kein Anfänger mehr bist, aber zum Beispiel du bist noch Anfänger, weil du gerade erst angefangen hast, damit Geld zu verdienen oder noch hundert andere Möglichkeiten. Im Idealfall bist du immer Anfänger. Das bedeutet nicht, dass du schlecht bist, sondern das bedeutet, dass du weitergehst. Denn wenn du kein Anfänger mehr bist, sondern Experte oder Profi und du bist kein Anfänger mehr, dann bedeutet das, dass du nichts Neues mehr kennenlernst. Und kein Experte und kein Profi bleiben Profi und Experte, ohne etwas Neues kennenzulernen. Es gibt immer neue Bereiche, die dich interessieren und in denen du dich entwickeln kannst, in denen du Spaß haben kannst, wo du dich umschauen kannst und die du natürlich, weil du ja Anfänger bist, auch jederzeit wieder sein lassen kannst. Es gibt einen zweiten sehr guten Gradmesser, ob du deinen Perfektionismus ausleben solltest. Die Frage dazu ist ganz einfach: Kannst du es dir leisten? Und diese Frage ist auch mehrdeutig. Du brauchst sie nicht nur auf deine Finanzen beziehen, sondern du kannst sie auf alles beziehen: Auf die Zeit, auf die Lust, auf deine Lust, auf die Lust deiner Mitarbeiter oder der Helfer oder deines Umfeldes. Kannst du es dir leisten? Ist jetzt wirklich die Zeit dafür, perfektionistisch zu sein? Meistens ist die Antwort: »Nein!« Denn Perfektionismus musst du dir wirklich leisten können. Und ich habe dabei folgende Beobachtung gemacht: Am Anfang kannst du dir keinen Perfektionismus leisten, also musst du üben, nicht perfekt zu sein. Dadurch kommst du irgendwann in die Position, Schritt für Schritt, vielleicht auch über viele Jahre, dass du dir nach einigen Jahren Perfektionismus leisten kannst. Doch dann hast du so sehr geübt, deinen Perfektionismus abzulegen, dass du ihn dir gar nicht mehr leisten willst. Und wenn doch, ist damit viel mehr Freude als Druck verbunden. Das heißt, dein Perfektionismus hat sich gewandelt vom Druck zur Freude.