Verlaufen ist eine gute Möglichkeit, um länger zu gehen. Du sollst nichts schönreden, aber du musst die Möglichkeiten sehen. Und falls sich dein Verstand jetzt an Müssen aufhängt, ist es höchste Zeit genau nachzuschauen, was er sich mit der Veränderung der Worte schönreden will. Positives Denken ist nicht die Lösung, denn das ist meistens künstlich. Das heißt, wir versuchen, uns die Situation schönzureden. Das meine ich damit nicht. Ich will nichts schönreden und ich will auch nichts beschönigen. Ich will dir eine neue Dimension des Erlebens, eine neue Dimension der Erfahrung zeigen. Ich habe mich als Mountainbiker oft verfahren, meistens absichtlich, weil ich so viel Neues kennenlernen konnte. Ich wusste von vornherein, dass ich mich dort, wo ich jetzt hinfahre, nicht auskenne. Und ich hatte weder eine Karte dabei noch einen Kompass noch ein Handy, ich bin einfach gefahren. Oft musste ich wieder umdrehen und den ganzen Weg zurück und einige Male bin ich stur geblieben und obwohl es keinen Weg mehr gab, bin ich einfach weitergefahren, irgendwann weitergegangen und zum Schluss weitergeklettert. Das war einige Male gefährlich und zwischendurch vielleicht sogar lebensgefährlich. Manchmal wusste ich nicht, ob ich die Nacht draußen verbringen werde und ob ich es noch heim schaffe. Und manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich es überlebe. Aber immer habe ich dabei meine Gefühle gefühlt und im Lauf der Zeit hat sich meine Wahrnehmung verändert. Ich habe aufgehört, darüber nachzudenken, was ich jetzt schon wieder falsch gemacht habe, wo ich falsch abgebogen bin und was ich nächstes Mal besser machen könnte. Stattdessen habe ich mich darauf konzentriert, das, was ich jetzt erlebe, pur zu erleben und mich nicht durch Gedanken davon abzulenken. Und so wurden meine Umwege, mein Verfahren und Verlaufen zum Abenteuer. Und sie wurden tatsächlich zur Einladung an mich, länger zu fahren und länger zu gehen. Ich konnte meine Gefühle fühlen, wenn ich kein Licht dabei hatte und es längst Nacht war und ich nicht wusste, ob mich die Autos auf der Straße sehen, ob ich im Gelände noch sehe, wo ich hinfahre. Doch im Lauf der Zeit ist das Drama weggefallen und ich war im Moment. Auch dann, wenn dieser Moment äußerst unangenehm war. Was bei mir manchmal als flapsiger Spruch oder als Provokation rüberkommt, hat also eine sehr fundierte Grundlage. Wenn du echauffiert bist, kriegst du die nicht mit, dann kannst du die nicht wahrnehmen. Aber wenn du dein Misstrauen überwinden kannst, dann bekommst du von mir ein Geschenk nach dem anderen.