Jeder Moment deiner Existenz verbrennt in sich selbst, wenn du präsent bist. Da die wenigsten präsent sind, verbrennt dieser Moment nicht in sich selbst. Stattdessen schreibt er sich fort in die Zukunft. Und diese Zukunft ist bestimmt von dem, was jetzt nicht verbrannt ist. Wir denken, wir müssten die Welt retten oder zumindest einige Menschen. Und wir verkennen dabei vollkommen, dass wir niemanden außer uns selbst retten können und müssen. Wenn du dich selbst rettest und einen leidvollen Moment nicht mehr in die Zukunft fortschreibst, realisierst du plötzlich, dass es gar niemanden mehr gibt, den du retten kannst. Es gibt dann auch kein Leid mehr. Zuallererst gibt es in dir kein Leid mehr und dadurch kannst du auch außerhalb von dir nichts mehr sehen, was Leid in dir verursachen würde. Entgegen der Behauptung vieler ist das keine Gleichgültigkeit in dem Sinn, wie wir das Wort negativ verwenden. Als würde dich nichts mehr berühren oder als würdest du dann nicht mehr helfen können, falls deine Hilfe gebraucht wird. Aber du hilfst frei von Leid und frei von Drama. Und du kannst eindeutig sehen, dass du niemanden retten kannst. Und du kannst auch sehen, dass das gar nicht von dir gefordert wird. Niemand verlangt das von dir. Niemand außer dein eigener Verstand, der konstant damit beschäftigt ist, aus dir einen noch besseren Menschen zu machen und dich anzutreiben. Wir erleben Leid und Drama vor allem aus einem wesentlichen Grund: Wir erleben eine Situation, die uns berührt, die vielleicht sogar Schmerzen auslöst. Und wir bekommen sofort die Idee einzugreifen und das, was außerhalb von uns, um uns herum geschieht, zu verändern. Das wollen wir nur, weil wir in diesen Momenten nicht bereit sind, unsere Gefühle zu fühlen. Wenn du in diesen Momenten beginnst damit, deine Körperempfindungen zu fühlen, verändert sich etwas. Es kann sein, dass das eine Zeit dauert, bis diese Veränderung eintritt. Subtil ist sie sehr schnell. Es kann aber sein, dass es dir erst später auffällt. Wenn du lernst, mit Schmerz zu sein, wenn du lernst, mit unangenehmen Körperempfindungen präsent zu sein, lernst du etwas, was die meisten niemals erleben wollen: Du lernst, leid- und dramafrei zu fühlen. Der Verstand will das nicht. Er ist dazu auch nicht in der Lage, denn er macht das Drama und er schreibt das Leid in die Zukunft fort. Nicht weil da wirklich Leid ist, sondern weil er an der Macht bleiben möchte. Du kannst und musst sogar mit deinem Leid und auch mit dem Leid der anderen in Frieden kommen. Erkennen kannst du das aber nur in dir. Der Verstand versucht das abzukürzen durch eine Mir-doch-egal- oder Leck-mich-am-Arsch-Haltung. Das ist nicht, was ich meine. Was ich meine, ist ein innerer Prozess, der deine gesamte Aufmerksamkeit braucht und der einen Beginn hat, aber kein Ende.