Unternimm kein einziges Abenteuer, um ein Ziel zu erreichen. Ein Abenteuer unternimmst du immer dann, wenn dir nicht klar ist, was du machen sollst oder wohin die Reise geht. Wenn du keine absolut eindeutige Anziehung fühlst oder keine absolut eindeutige Abstoßung. Immer dann, wenn du unklar bist, ist jede Entscheidung ein Abenteuer. Wenn du dir klar bist, wenn es dir klar ist, dann gibt es kein Abenteuer. Es ist zwar trotzdem eins, aber wenn dir Menschen sagen: »Oh, da hast du dich ja auf ein Abenteuer eingelassen!«, dann weißt du gar nicht, wovon sie reden, denn gefühlt hast du dich auf deine Klarheit eingelassen. Deine Intuition leitet dich. Wenn du dich auf ein Abenteuer einlässt, weil du nicht weißt, was dran ist, musst du es einfach ausprobieren. Allerdings nicht mit einem Ziel, denn dieses Ziel würde ja bedeuten, du weißt, was du willst. Und du weißt es ja nicht, sonst wäre es kein Abenteuer. Gib dir dabei selbst die Erlaubnis, jederzeit abzubrechen und mach alles nur für diesen einen Moment der Aufregung und der Neugierde. Dann kannst du gar nichts falsch machen. Dann kannst du dich auch wieder umentscheiden. Denn du hast es ja eben nicht gemacht, um ein Ziel zu erreichen, sondern du hast es gemacht, weil du nicht wusstest, was du willst. Es muss also auch erlaubt sein, dass du auf dem Weg herausfindest, was du willst oder was du nicht willst. Unser Verstand plant Abenteuer anders. Der macht dir Vorgaben. Der sagt dir, du musst zumindest Ziel A, B oder C erreichen und du kannst vor allem nicht sofort wieder aufhören. Ich habe das im Radsport immer wieder gemacht, wenn ich keine Lust hatte auf Training. Zum Beispiel weil es geregnet hat oder bei Nieselregen und 3 °, was jetzt nicht so sexy ist für mich, dann habe ich einfach trotzdem begonnen, mich anzuziehen, an den Startplatz meines Trainings zu fahren, mein Fahrrad auszupacken. Und ich hatte kein Ziel, außer aufs Rad zu steigen und ich habe mir die Erlaubnis gegeben, jederzeit abzubrechen. In schätzungsweise 99 % der Fälle, vielleicht ein bisschen weniger, habe ich nicht abgebrochen. Das war aber kein Motivationsexperiment in dem Sinn, dass ich mich durchgebissen habe, sondern die Lust kam während des Fahrens. Das konnte ich vorher aber nicht wissen und es war meistens nicht eindeutig: Will ich? Will ich nicht? Und unser Kopf denkt die ganze Zeit hin und her. Das macht er sehr gerne. Mal will er, mal will er nicht. Wenn du dich dann entscheidest, dass du ja nicht willst, sagt er: »Na ja, du hättest ja können!« Und wenn du es tust, dann sagt er: »Ach, ich hab dir doch gesagt: 'Bleib zuhause!'« Und ein Abenteuer ohne Ziel ist doppelt gegen den Verstand. Du ignorierst ab dem Zeitpunkt deiner Entscheidung, dass du sagst: »Ich mach ein Abenteuer, aber ich mach es ohne Ziel«, jeden einzelnen Gedanken. Es ist vollkommen egal, was du auf dem Weg zum Start denkst. Es ist vollkommen egal, was du am Start denkst. Und es ist vollkommen egal, was du denkst, wenn du begonnen hast. Irgendwann im Verlauf der Zeit, entweder der Vorbereitung, des Starts oder wenn das Abenteuer schon begonnen hat, wirst du eindeutig herausfinden und fühlen, ob du Lust auf mehr hast oder ob du es abbrichst. Das heißt, der Abbruch muss als Option möglich sein. Diese Erlaubnis musst du dir selbst geben und du musst dir auch selbst die Erlaubnis geben, dass du das Ziel nicht erreichen musst. Nur durch diese Praxis, nur durch diese Erfahrung werden dir so viele Dinge klar. Das kann sich dein Kopf gar nicht vorstellen. Und weil er es sich nicht vorstellen kann, musst du es ausprobieren.