Selbstannahme ist nichts, was du machen kannst. Selbstannahme geschieht von alleine, wenn du bereit bist, jedes Gefühl zu fühlen. Genauer formuliert ist Selbstannahme gar nicht möglich. Denn solange du nach Selbstannahme oder Selbstliebe strebst, bist du im Widerstand mit irgendetwas und du hast ein Bild von dir oder von dem, was du annehmen und lieben können solltest. Du hast ein Bild von deinem Selbst. Jedes Bild, das du von deinem Selbst hast, ist falsch und muss falsch sein, denn das, worauf du trainiert wurdest, um es zu erkennen, sind Unterschiede. Du definierst dich darüber, dass du anders bist oder dass du Schwächen oder Stärken hast. Das ist nicht dein Selbst. Deine Schwächen und deine Stärken anzunehmen ist keine Selbstannahme. Dein Selbst kannst du gar nicht annehmen, weil du es auch nicht ablehnen kannst. Ohne das, was du bist, wärst du nicht hier. Du wärst nicht nur nicht hier, du wärst überhaupt nicht. Wir haben nur die irrige Annahme, dass wir etwas sind, dass wir besonders sind und verschieden und dass wir uns so, wie wir sind, annehmen müssten. Tatsächlich müssen wir nur lernen, das, wie es jetzt ist, nicht mehr abzulehnen. Denn diese Ablehnung sorgt für die Trennung beziehungsweise für Unmut und Frust. Wenn du nichts mehr ablehnst, brauchst du auch nichts annehmen. Nicht nur, weil es überflüssig ist, sondern weil es gar nicht geht. Ohne die Ablehnung ist gar keine Annahme möglich. Es ist ja schon alles hier — und zwar unabhängig davon, für wie gut du das befindest, was jetzt gerade hier ist. Irgendetwas ist ja immer und deshalb ist auch irgendetwas immer hier. Wir sind es nur gewöhnt, das, was jetzt hier ist, als verbesserungswürdig anzusehen. Als nicht optimal. Nur deshalb streben wir weg von diesem Moment. Der Widerstand zu dem, wie es ist, ist die einzige Möglichkeit, den Moment zu verpassen. Und dieser Widerstand sorgt dafür, dass wir meinen, das Gegenteil von diesem Widerstand machen zu müssen. Und wenn wir uns selbst nicht wertschätzen können und wenn wir uns selbst ablehnen, dann denken wir, wir müssten lernen, uns anzunehmen. Selbstannahme, die auf unserer eigenen Ablehnung beruht, kann nicht funktionieren. Aber wenn du vergisst, dich abzulehnen, merkst du, dass du dich gar nicht annehmen musst. Das kannst du auch ganz einfach selbst nachvollziehen. In Momenten, in denen es dir gut geht, ist es nicht so, dass du gesagt hast: »Ich nehme mich selbst jetzt so an, wie ich bin!« Du hast einfach vergessen, dich abzulehnen, weil es dir gut geht, weil du etwas machst, was dich erfreut, weil du etwas machst, was dir Spaß macht, weil du dich nicht ablenken hast lassen durch Argumente von dem, was du tun willst. Das gesamte System, die gesamte Gesellschaft ist aber so aufgebaut, dass sie dich von dem abhalten oder abhalten wollen, was du willst. Sie sagen dir, dass es nicht geht und warum es nicht geht. Bei dem, was du tun willst, geht es aber nicht um irgendwelche Superman-Geschichten, wie es leider oft behauptet wird in der Persönlichkeitsentwicklung und wo dir gesagt wird: »Du kannst alles schaffen!« Das ist gar nicht relevant. Für dich ist es normal, was du gerne tust. Du brauchst kein gefeierter Überflieger sein, um dich wohlzufühlen. Du musst nur die Ablehnung und die Selbstablehnung überwinden. Und die überwindest du eben nicht über ein Mantra. Die überwindest du nicht durch Neuprogrammierung oder indem du irgendwelche spirituellen oder esoterischen Tricks anwendest. Beziehungsweise einen esoterischen Trick gibt es. Und der ist: Bereit zu sein, jedes Gefühl zu fühlen in deinem Körper, das jetzt gerade hier ist. Bedingungslos. Und diese Wahrnehmung deiner Körperempfindung ist sowohl frei von Ablehnung als auch frei von Annahme. Da gibt es nichts mehr anzunehmen, denn es ist, wie es ist. Dein Widerstand dem Leben gegenüber ist weggefallen. Und jetzt kann es sich wieder so entfalten, wie es für dich gedacht ist.