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    19.5.2022AQ 1637
    »Der Angst ist es egal, wovor du Angst hast.«
    0:007:49
    Der Angst ist es egal, wovor du Angst hast. Sie bleibt immer die Angst. Du kannst vor vielen verschiedenen Dingen und Umständen Angst haben. Die Angst ist immer die gleiche. Dabei gibt es zwei Formen oder Varianten der Angst und diese beiden Formen sind bei jedem Gefühl gleich. Die eine Variante ist eine Körperempfindung. Vollkommen unabhängig davon, wovor du Angst hast, die Angst, die du im Körper fühlst, die Körperempfindung selbst bleibt die gleiche. Zumindest erst einmal. Du musst die Angst als Körperempfindung sehr gut und sehr genau beobachten. Erst dann wirst du feststellen, dass es vielleicht gar nicht immer die gleiche Körperempfindung ist und dass die Körperempfindung sogar wandert. Trotzdem nennst du das immer noch Angst, obwohl es sich längst verändert hat. Schon seltsam irgendwie! Die zweite Variante existiert ohne Körperempfindung. Meistens sprechen wir nur von Angst. Dabei ist die Angst gar kein Gefühl, sondern eine Gedankenkaskade, die du Angst nennst. Du sagst, du hast Angst vor oder du hast Angst, dass … Und während das als Gedanke vollkommen richtig ist, fühlst du gar kein Gefühl. Du fühlst gar keine Angst in deinem Körper. Es ist also nur ein Gedanke. So gesehen stimmt mein heutiges Zitat gar nicht. Die Angst bleibt gar nicht die Angst. Genau genommen weißt du gar nicht, was Angst ist. Du weißt es nicht, weil du in dem Moment, in dem du sagst und denkst: »Ich habe Angst«, mit den Gedanken beschäftigt bist. Gedanken sind aber keine Angst. Gedanken sind kein Gefühl und Gedanken sind auch keine Körperempfindung. Die Konstanz der Angst ist in deinem Kopf. Dein Gedanke der Angst, der bleibt. Die konstante Zuordnung von Gedanken und Körperempfindungen, die gleichzeitig vollkommen automatisch geschieht, ist auch die Konstanz der Angst. Ohne diese automatisierte Zuordnung kann sie sich nicht länger in dir halten. Denn dann würdest du der Ursache das erste Mal deine Aufmerksamkeit schenken. Du als Bewusstsein würdest das erste Mal untersuchen, was genau Angst tatsächlich ist. Im Idealfall machst du das ohne Ziel. Das heißt, du nimmst dir nicht vor, dass du damit die Angst bekämpfst oder wegmachen willst, sondern du nimmst dir vor, alles so hier sein zu lassen, wie es ist. Und aus purer Neugierde so genau wie möglich zu erforschen. Nichts muss sich verändern, nichts muss besser werden, du musst nichts überwinden. Es gibt nichts, was anders sein sollte, als es ist. Wenn du deine Angst so untersuchst, wirst du feststellen, dass du noch nie in deinem Leben Angst hattest, weil du den Körperempfindungen, die du fühlst, in Wahrheit gar keinen Namen geben kannst. Lass das keine theoretische Erkenntnis sein. Hack das nicht ab und geh zur Tagesordnung über. Untersuche es wirklich für dich. Dann bleibt das kein Hörensagen, sondern es geht als Erleben in dich über. Es ist jetzt etwas, wo du mitreden kannst, ohne dass du es willst. Denn Mitreden wird überflüssig, wenn du es erlebt hast.