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    15.5.2022AQ 1633
    »Der Vergleich mit dem Leben von anderen ist ein sicheres Rezept für ein unglückliches Leben.«
    0:009:49
    Der Vergleich mit dem Leben von anderen ist ein sicheres Rezept für ein unglückliches Leben. Genau genommen ist es sogar das einzige Rezept. Es ist das einzige Rezept für ein unglückliches Leben, wenn du dich mit anderen vergleichst. Das klingt jetzt oberflächlich ganz nett und logisch und es gibt eine Menge Menschen, die denken: »Ach, ich vergleiche mich doch nicht. Ich nehme ja nicht an Wettkämpfen teil. Ich will nicht besser sein oder versuche nicht, andere als Maßstab zu nehmen.« Und das stimmt nicht. Du vergleichst dich ständig. Der Vergleich ist eine der grundlegenden Programmierungen. Vielleicht ist er sogar in uns angelegt. Das ist eine Möglichkeit. Aber viel wichtiger ist, dass er die ganze Zeit betont wird. Es wird dir die ganze Zeit gezeigt, dass es wichtig ist, dich zu vergleichen, ohne dass das Vergleich genannt wird. Warum sonst halten immer noch so viele Menschen Noten und Bewertungen, ganz egal durch wen, für ganz normal? Wie sollte man es denn auch anders machen? Es mag sein, dass einige wirklich verstanden haben, dass es kein guter oder förderlicher Weg ist, aber diese Programmierung ist in uns selbst tief eingebrannt. Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen nur so tun, als hätten sie es verstanden. Denn wenn sie es wirklich verstehen würden, würden jegliche Überheblichkeit und jegliches »Ach, weiß ich längst, kenne ich schon! Du erzählst mir nichts Neues!« einfach wegfallen. Denn Erkenntnis bedeutet nicht, die Logik einer Aussage zu verstehen. Erkenntnis bedeutet, das, was es zu erkennen gibt, in sich selbst zu erkennen, in sich selbst zu finden. Der bekannteste Vergleich oder einer der bekanntesten Vergleiche: In der Werbung gab es mal eine Szene, da hat jemand Fotos auf den Tisch gelegt, hat gesagt: »Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot.« Das ist der offensichtliche Vergleich. Der ist einfach zu erkennen, aber selbst an dieser Hürde scheitern schon einige. Auf einer Ebene tiefer vergleichst du nicht bewusst und trotzdem orientierst du dich an dem Leben anderer. Du denkst nämlich unbewusst die meiste Zeit: »Den anderen geht es besser als mir.« Woher diese irrige Annahme kommt, ist für mich immer noch ein großes Rätsel, denn sobald ich in mich schaue und sehe, was da alles ist, weiß ich, dass bei den anderen auch was ist und dass das Leben der anderen überhaupt nicht Friede, Freude, Eierkuchen ist. Und zwar weder das Leben eines Singles noch das Leben in einer Community oder vielleicht sogar in einer spirituellen Community. Wir haben da nicht den Eindruck, dass wir vergleichen und doch gehen wir von vollkommen falschen Annahmen aus. Früher wollte ich mal berühmt und bewundert werden und dann ist mir irgendwann völlig klar geworden, dass ich das ganz sicher nicht will. Ich will nicht erleben, was ein Justin Bieber erlebt, wenn er jeden Tag ein anderes Konzert in einer anderen Stadt spielt. Das ist nicht nur schön. Ich möchte auch kein Politiker sein, der auf Wahlkampftour gehen muss, um gewählt zu werden und um jeden Tag aufs Neue seine Meinung zu verteidigen. Ich kann also froh sein, dass ich mein Leben führen darf, das vollkommen anders ist als das Leben der anderen. In der Essenz natürlich nicht, aber ich erlebe andere Dinge und ich möchte nicht die gleichen Dinge erleben wie andere Menschen. Wenn dir auch dieser zweite Bereich oder diese zweite Ebene klar ist, dann kommt jetzt die dritte und die ist die Grundlage unseres Verstandes. Denn ich möchte noch nicht einmal etwas anderes erleben als das, was jetzt hier ist. Ich vergleiche also auch mein Leben jetzt nicht mehr mit meinem Leben früher und ich projiziere es auch nicht in die Zukunft. Vergangenheit und Zukunft sind auch Vergleiche des Verstandes. Darauf hat dein Verstand aber gar keine Lust, das zu erkennen. Diesen letzten Anker will er sich nicht nehmen lassen und an dem hält er fest. Und dann sagt er: »Ja, ich weiß gar nicht, was der hat? Was soll denn so schlecht sein? Lass mich doch mein Leben mit meiner Vergangenheit vergleichen und lass mich doch für eine bessere Zukunft hoffen! Was ist denn so schlimm daran?« Er ist einfach ein lustiger Kauz. Diejenigen, die groß herumposaunen, dass sie überhaupt nicht mehr vergleichen, die kannst du im nächsten Moment erwischen, wie sie in der Vergangenheit schwelgen und sich eine hoffnungsvolle Zukunft ausmalen.