In der Praxis entfaltet Neues seine Magie, nicht in der Theorie. Neues lernt man nicht durch Fragen und theoretisches Auswendiglernen. Das ist auch der Grund, warum so wenige von uns wirklich etwas können. Wir denken, es ist umgekehrt. Wir denken, wir müssten neun bis zwölf Jahre in eine Schule gehen, um anschließend etwas zu können. Dabei können wir anschließend gar nichts. Versuch dir mal vorzustellen, was passiert, wenn du neun Jahre etwas praktisch machst. Neun Jahre. Wenn du dich neun Jahre einer Sache widmest. Es ist gar nicht auszudenken, wozu du anschließend fähig bist. Manche denken dann: »Na ja, aber man weiß ja nicht, ob man sich neun Jahre lang motivieren kann und ob man dabei bleibt.« Okay, dann gehe einfach mal davon aus, du machst etwas ein Jahr lang. Und wenn du denkst, das ist auch noch zu lang, dann drei Monate. Drei Monate eine einzige Sache, weil du begeistert bist, weil es dir Spaß macht, weil du wirklich dabei bist. Nicht weil du es musst oder weil dir jemand sagt, dass du musst unter Androhung von Strafe, sondern weil du willst, weil es dich interessiert. Und stell dir dann noch vor, du beschäftigst dich in diesen drei Monaten nicht theoretisch, sondern praktisch mit dem, was du lernen willst oder was dich interessiert. Ganz egal, ob das Klavierspielen ist, eine Sprache, Rechnen, Mathematik. Vollkommen egal. Aber du beschäftigst dich praktisch damit, nicht theoretisch. Du schaust keine Videos über das Windsurfen, sondern du gehst windsurfen. Du liest nicht in Büchern über die italienische Sprache und versuchst, Vokabeln auswendig zu lernen, sondern du fährst nach Italien und bestellst einen Espresso auf italienisch. Und du bestellst diesen Espresso nicht deshalb, weil du musst, sondern weil du willst, weil es dich interessiert. Wenn du jetzt noch nicht vom Stuhl oder aus dem Bett gefallen bist, was für eine unfassbare Zeitverschwendung die Schule ist und natürlich genauso die Uni. Ich weiß nicht, ob heute noch bessere Beispiele kommen. Unser Verstand kommt nur nicht klar damit, der sagt: »Ja, aber das ist halt so und das muss man machen. Und das ist, es gibt ja auch zurecht eine Schulpflicht!« Und bla bla bla. Alles Bullshit. Alles programmierter Quark von Menschen, die noch nie praktisch gelebt haben, sondern immer nur theoretisch. Es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob du einen Wirtschaftsprofessor hast, der ein eigenes Unternehmen hat, oder ob du einen Wirtschaftsprofessor hast an deiner Uni, der sich vorstellen kann, ein eigenes Unternehmen zu haben. Und dann macht es auch noch einen Unterschied, ob dieser Professor mit dem eigenen Unternehmen in seinem Unternehmen mit dem Herzen dabei ist und er das aus der Praxis heraus leitet oder aus der Theorie. Die Praxis ist jeder Theorie vorzuziehen. Die meisten Menschen haben das eigentlich auch erlebt. Du warst in der Schule und dann musstest du erstmal eine Ausbildung machen. Es hat nicht gereicht. Schule hat nicht gereicht, damit du in einem Beruf arbeiten kannst. Das ist ein wirklich schlechtes Ergebnis für neun bis zwölf Jahre Lernen. Da müsste man ehrlicherweise anerkennen und sagen: »Ich habe nichts gelernt oder das Falsche oder ohne Praxisbezug.« Und dann machst du die Ausbildung und gehst in das Unternehmen und merkst, du musst wieder alles neu lernen. Du hast vielleicht in der Ausbildung drei Jahre lang ein paar Grundlagen mitbekommen, aber das Wesentliche hast du nicht gelernt. Und das Wesentliche ist, wie es in der Praxis tatsächlich gemacht wird. Natürlich wird das nicht überall gleich gemacht. Wenn du das Unternehmen wechselst, musst du es wieder neu lernen. Also stellt sich die Frage: Warum gehst du nicht gleich in dieses Unternehmen und lernst es neu? In der Praxis. Wie lange brauchst du dazu? Ein paar Monate, maximal ein paar Jahre und du bist drin im Thema — rein praktisch. Es ist absurd, dass wir überhaupt noch denken, wir hätten in der Schule irgendetwas gelernt, vor allem etwas, das wir ohne Schule nicht gelernt hätten. Während du Sprechen und Laufen lernst, ohne dafür in eine Schule zu gehen, weil man es nicht verhindern kann, dass du es lernst, bevor du in die Schule kommst, nur deshalb kann man sich nicht einbilden, dass du auch zum Sprechenlernen und zum Laufenlernen eine Schule brauchst. Nur weil man es nicht verhindern kann, dass du es von alleine lernst, ist der einzige Grund. Hätte man dich nicht in eine Schule gesteckt, dann hätte man auch nicht verhindern können, dass du Lesen, Schreiben und Rechnen lernst, weil es ab einem bestimmten Punkt interessant wird für dich. Und wir sind so dumm, dass wir denken: »Ja, aber nicht so gut. Ich hätte es nicht so gut gelernt, weil man hätte mich ja nicht dazu gezwungen.« Und dabei verkennst du vollkommen, dass der Zwang ein wesentlich ungeeigneteres Mittel ist als deine eigene Neugierde und die Motivation, die deiner Begeisterung entspringen. Ein Kind, das feststellt, dass es rechnen können muss, um Geld einzunehmen, zum Beispiel, das hat ein Eigeninteresse und das braucht dafür keine komplizierte Mathematik. Das muss keine Algebra — Was gibt es noch? — Stochastik, dieser ganze Schwachsinn, der für bestimmte Bereiche cool ist, aber den nicht jeder können muss. Das wird es nicht brauchen, sondern es wird reichen, wenn es das kleine Einmaleins lernt, Plus und Minus und solche Sachen. Aber wir wollen es nicht wahrhaben. Denn wenn wir das zugeben könnten, dann geht das gegen unser Ego. Denn unser Ego schreit dann auf und sagt: »Oh Gott, dann wäre das ja alles verschwendet.« Und das wollen wir nicht zugeben. Nicht mal uns selbst gegenüber. Eigentlich sehr peinlich, dass Erwachsene nicht in der Lage sind, die einfachsten Zusammenhänge zu erkennen. Daran kannst du sehen, wie tief wir in Trance sind, wie hypnotisiert wird sind. Alles, was du lernen willst, kannst du lernen, vor allem dann, wenn niemand sagt, dass du musst. Wenn es wirklich dein eigenes Interesse ist, wird alles so unfassbar leicht, dass es dir wie ein Witz vorkommt und die Schule zurecht wie die größte Qual. Und wenn nicht wie die größte Qual, dann auf jeden Fall wie die größte Zeitverschwendung.