Immer, wenn du es schaffst, für Entspannung zu sorgen, ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht niemals darum, etwas 100%ig zu tun. Diese Idee, etwas richtig zu tun oder 100%ig zu tun, steht uns im Weg, überhaupt damit anzufangen. Wenn wir angespannt sind, glauben wir, wir müssten jetzt vollkommen entspannen. Auf der Stelle. Sofort. Oder wenn wir kein Geld haben, denken wir, wir bräuchten jetzt ganz dringend sofort sehr viel Geld. Oder wenn wir keinen Partner haben, denken wir, wir bräuchten jetzt sofort den besten Partner, den es gibt und so weiter. Wenn wir keine Bikinifigur haben, denken wir, wir bräuchten jetzt ganz schnell die beste Bikinifigur der Welt. Und diese Ideen halten uns davon ab, anzufangen und weiterzumachen. Denn wenn du damit angefangen hast, merkst du ja sehr schnell, wie wenig das gebracht hat. Also du hast nicht nach dem ersten Bauch-Beine-Po-Training die Bikinifigur. Und du hast vielleicht nach dem ersten Disco- oder Was-auch-immer-Besuch nicht den besten Partner aller Zeiten. Ah! Heutzutage macht man das ja mit Tinder, gell? Ich bin da altmodisch. Keine Ahnung. Ich habe heute ein schönes Beispiel dazu gelesen. Usain Bolt hat gesagt, er hat vier Jahre gebraucht, um die 100 Meter unter 10 Sekunden zu laufen. Und dann gibt es Menschen, die nach zwei Monaten mit dem Training aufhören, weil es nichts bringt. Also das heißt, wir fangen entweder gar nicht erst an, weil wir ja gleich richtig und voll anfangen wollen. Und falls wir anfangen, fällt es uns extrem schwer, dabeizubleiben und weiterzumachen, weil es bringt ja nicht sofort etwas. Und es bringt ja nicht so viel, wie wir dachten und überhaupt viel weniger, als wir erwarten. Und in allen Bereichen, die ich aufgezählt habe und die dir sonst noch einfallen, geht es immer um das Gleiche. Es geht immer nur um den jetzigen Schritt, den du tun kannst und den du tatsächlich tust — und zwar vollkommen unabhängig davon, wie klein und unbedeutend dieser Schritt auch sein mag. Und obwohl es gerade sehr populär ist, sich Ziele zu setzen, weil behauptet wird, dass du Ziele bräuchtest, um etwas erreichen zu können, sage ich dir genau das Gegenteil. Das Hinderlichste, das Verrückteste, das Schlechteste, was du tun kannst, wenn du etwas erreichen willst, ist es, dir ein Ziel zu setzen aus einem ganz einfachen Grund. Wenn du dir dieses Ziel setzt und ab diesem Zeitpunkt immer wieder an dieses Ziel denkst, was ja auch gelehrt wird, du sollst es ja visualisieren, wie du dann aussiehst mit dem idealen Partner und der Bikini-Figur und viel Geld und was es sonst noch alles so gibt, dann hast du ständig ein Idealbild vor dir, das du zu diesem Zeitpunkt nicht erfüllst und auch gar nicht erfüllen kannst. Und mit diesem Idealbild, das rein hypothetisch ist, vergleichst du dich, vergleichst du dein Leben. Und das sorgt für sehr viel Frust, denn du bist noch nicht dort, wo du gerne wärst. Und du vergisst dabei das Geheimnis, das Einzige, worum es in deinem Leben jemals geht. Diesen Moment. Diesen einen Schritt, den du jetzt gerade gehst. Diese eine Bauchübung, die du jetzt gerade machst. Diesen einen Job, den du jetzt so gut machst, wie du kannst und für den du bezahlt wirst — ganz egal, was das ist. Es geht immer nur um diesen einen Moment, denn auch am Ziel angekommen, also falls du dann irgendwann tatsächlich eine Bikini-Figur hast oder viel Geld oder einen tollen Partner, wirst du gar nichts anderes erleben. Es müsste dir dann wie Schuppen von den Augen fallen, dass du auch dann nur diesen einen Moment erlebst. Du bist jetzt vielleicht ein bisschen reicher, ein bisschen leichter oder hast ein bisschen mehr Partner in deinem Leben, aber ansonsten hat sich gar nichts verändert. Dein Leben ist immer noch dieser eine Moment. Und du kannst diesen einen Moment nur in dem Maß genießen, in dem du es auf dem Weg geübt hast. Wenn du auf dem Weg die ganze Zeit ein Ziel vor Augen hast, genießt du diesen Moment nicht, weil du ihn verpasst, weil du in Gedanken längst woanders bist. Ich finde es extrem komisch, dass dir die ganzen spirituellen Coaches und Manifestationslehrer und Lifecoaches und was es sonst noch alles gibt das nicht sagen. Es gibt nur eine Möglichkeit, warum sie dir das nicht sagen. Sie haben es selbst nicht erlebt. Sie haben also nicht wirklich aufgepasst, sprich sie waren nicht wirklich dabei, sie waren abgelenkt von ihrem eigenen Ziel. Sie wollten nämlich was erreichen, sie wollten dir einen Kurs verkaufen oder ein Coaching oder irgendwas Spirituelles, ein Buch. Sie waren nicht aufmerksam. Sobald jemand wirklich präsent ist und nicht nur davon spricht, im Moment zu leben, sondern tatsächlich im Moment lebt, muss ihm das auffallen. Er kann dann nicht mehr daran vorbei leben. Er kann nicht so tun, als würde das nicht stimmen. Es müsste ihm auffallen. Dazu müsste er aber so viel aufgeben und so viel hinter sich lassen und sich nichts so sehr wünschen wie seine Freiheit, dass es ihm ganz schön viel Angst machen würde. Denn das würde bedeuten, dass er nichts mehr steuern kann, dass er nichts mehr in der Hand hat, dass die Programmierung merkt, dass sie nicht in der Schaltzentrale sitzt. Es gibt noch ein Phänomen, das mir in diesem Zusammenhang einfällt, weil es ja im Zitat um Entspannung geht. Es gibt Menschen, die haben so Wertvolles erlebt und die können etwas so gut, dass ihnen gar nicht klar ist, wie gut sie sind. Und die sich verrückterweise noch eine Coachingausbildung reinziehen und noch ein Zertifikat an die Wand hängen, nur um dann endlich coachen zu können und zu dürfen, während sie ihr tatsächlich vorhandenes Talent oder ihre Gabe, ihren Weg entweder komplett negieren oder gar nicht wertschätzen, gar nicht anerkennen können, was sie da geleistet haben. Das ist so verrückt von außen zu sehen, vor allem weil sie sich mit dieser Ausbildung oder diesen Fortbildungen, die sie da ständig machen, unfassbar stressen und es überhaupt nicht einfach ist für sie zu entspannen in dem, was sie da tun. Und falls du zwischendurch Seminare buchst, habe ich genau diesen Tipp für dich. Schau mal, wie entspannt die Seminarleiter sind. Das ist das Einzige, was zählt. Und zwar verrückterweise schau mal, wie entspannt die Seminarleiter selbst in ihrer Anspannung sind. Ich garantiere dir, du wirst Unterschiede feststellen. Hat jemand ein Programm vorbereitet? Ist es ihm extrem wichtig, dass er keinen Punkt vergisst? Dann lebt er schon nicht mehr im Moment. Dann entsteht das in der Vorbereitung und nicht im Seminar. Was passiert, wenn er etwas vergisst? Was passiert, wenn er was nicht erklären kann? Wie verhält er sich, wenn Teilnehmer etwas nicht verstehen? Wie ist er drauf, wenn sein Programm einfach nicht funktioniert? Kann er in sein Versagen hinein entspannen? Ist er überhaupt bereit zu versagen? Oder ist es ihm unfassbar wichtig, dass alle so viel wie möglich mitnehmen und alles sofort umsetzen? Und das bei einem spirituellen Seminar. Schau dir das ganz ehrlich an und fühle, ob du dich damit entspannen kannst und ob sich der Seminarleiter, der Lehrer auch entspannen kann. Schau, ob der Seminarleiter im Moment ist und schau, ob auch du in diesen Moment kommen kannst.