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    24.4.2022AQ 1612
    »Echte Fülle schließt Mangel ein.«
    0:0014:09
    Wenn ich in der Fülle bin, kann ich beim Fasten nicht im Mangel sein. Ich glaube, ich hatte schon mal ein ähnliches Zitat und das hieß: »Echte Fülle schließt Mangel ein.« Falls nicht, habe ich sie jetzt. Selbst spirituelle Menschen, die sich auf die Suche machen nach der Fülle, verstehen das nicht. Sie suchen die Fülle immer noch im Kontrast zu ihrem erlebten Mangel. Dabei verstehen sie nicht, dass der erlebte Mangel eine Illusion war. Denn Leben selbst kann kein Mangelzustand sein. Wenn du mit Leben erfüllt bist, ganz egal, wie du das beurteilst, wie du deine Situation beurteilst, kann das kein Mangel sein, denn du bist das Leben selbst. Du bist diejenige Fülle, zu der es keinen Kontrast gibt. Natürlich kannst du sagen: »Ja, aber ich habe von dem einen oder dem anderen zu wenig.« Aber sobald du das ernsthaft und aufrichtig untersuchst, wirst du feststellen müssen, dass du das immer sagen kannst, vollkommen unabhängig davon, was du hast und wie viel du davon hast. Die Möglichkeit, dich in den Mangel zu denken und damit auch dich im Mangel zu fühlen, besteht immer. Dein gesamtes Leben lang. Es gibt zum Beispiel Menschen, die finden 1.000 € monatlich schon viel oder zumindest genügend Geld. Und es gibt Menschen, die finden 20.000 € monatlich zu wenig. Einfach nur so als ganz einfaches Beispiel. Und jetzt macht der Verstand etwas Komisches, nachdem er erkennen konnte, dass man diese Grenze gar nicht objektiv festlegen kann, versucht er es trotzdem. Und das ist der Irrsinn des Verstandes. Denn ohne seine Intervention, ohne sein Ablenkungsmanöver, dass es doch zumindest subjektiv für dich festzulegen sein muss, würdest du das erfahren, was dein Verstand nie erfahren will. Nämlich, dass es diese Grenze nicht gibt und dass du sie immer künstlich in dir herstellen musst. Wenn du ganz ehrlich nachschauen würdest, würdest du herausfinden, dass es keine Beurteilungsmöglichkeiten und auch keine echten Kriterien gibt dafür. Jedes einzelne Kriterium und jedes einzelne Urteil ist ausgedacht, während du dich damit identifizierst. Das ist ein unfassbar heftiger Vorgang, der den wenigsten auch nur ansatzweise klar ist. Und ich habe das alles in den letzten Wochen aus einer vollkommen neuen Perspektive erfahren, die mir bisher nicht klar war und die mir auch gar nicht klar sein konnte, weil ich noch nie so lange gefastet habe. Ich habe sieben Wochen gefastet, also 49 Tage. Und dieses Fasten war kein guter Vorsatz und es war auch nicht die Idee, dass ich jetzt hart sein müsste. Es kam ganz unverhofft und fast schon unbeabsichtigt. Aber als es da war, war alles klar. Ich habe am 22. Februar begonnen und an Ostern, am Karfreitag beendet. Und bei mir war alles anders, als man es behauptet. Ich hatte anfangs kein Fastentief, ich hatte aber auch kein Fastenhoch. Und dann habe ich kleinste Geschmacksausnahmen gemacht und einmal musste ich einfach etwas essen. Keine große Sache, ein paar Oliven. Und ich konnte die ganze Zeit meinen Verstand beobachten, wie er diese Ausnahmen einstuft. Und ich konnte vor allem erkennen, dass kein Wille notwendig war. Kein Ziel war notwendig. Und das ist etwas sehr Seltsames in unserer Welt, dass man sich nicht zwingen muss, so etwas zu tun. Aber dieses Abenteuer war einfach grandios und ist immer noch grandios. Denn natürlich hatte ich zwischendurch Gelüste, allerdings viel viel weniger, als ich es gedacht habe und auch, als ich es kenne. Und ich wusste auch schon von früheren Erfahrungen, dass diese Gelüste kein Hunger sind. So komisch das klingt, ich hatte in diesen über sieben Wochen nur einmal oder zweimal wirklich Hunger. Hunger jenseits von Gelüsten. Gleichzeitig hatte ich natürlich auch ein paar Mal Gelüste und während ich aber diese Gelüste hatte, wusste ich, dass es gar nicht geht. Ich hatte einfach schon viel zu lange gefastet. Mein ganzes System war heruntergefahren, es war keine Magensäure mehr da, ich konnte nichts mehr verdauen. Das heißt, jede Lust, der ich nachgegangen wäre, wäre gar keine gewesen in meinem Erleben. Und es wurde dann einfach nur noch spannend. Denn es war schon eine Geschmackssensation für mich, das Wasser von eingelegten Oliven zu trinken. Das habe ich ein paar Mal gemacht oder auch Kapern zu kauen und wieder auszuspucken und einmal habe ich sogar einfach nur pures Salz gegessen. Aber während das jetzt nach vielen Ausnahmen klingt, habe ich die meiste Zeit absolut nichts gegessen, Tee getrunken, Wasser getrunken, Zitronenwasser getrunken. Und ich hatte nicht das Gefühl, im Mangel zu sein. Ganz im Gegenteil. Es war und ist eine sehr, sehr erfüllende Erfahrung und mir sind auch fast schon erschreckende Erkenntnisse in dieser Zeit gekommen. Und eine der härtesten Erkenntnisse ist folgende: Der Unterschied, während du fastest, zwischen einer schlimmen Fastenerfahrung, bei der du Angst hast, aufgrund Mangel zu sterben, und einer erfüllenden Fastenerfahrung ist nicht deine erlebte Realität. Der Unterschied ist deine Haltung dazu. Ob du das, was jetzt gerade hier ist, wirklich willst und bereit bist anzunehmen. Wenn du willst und wenn du es mitbekommen hast, kannst du dir einige interessante Bilder zu diesem Thema vor dein inneres Auge holen, wie du sie zum Beispiel aus Shanghai kennst in den letzten Wochen. Und dann kannst du einmal kräftig schlucken und dir das noch einmal klarmachen, was das bedeutet. Es geht nicht um die Erfahrung selbst, sondern es geht darum, was du aus dieser Erfahrung machst. Und das prägt dich und dein Leben.