Die Antworten kommen, weil die Fragen wegfallen. Wenn wir weise sein wollen, dann denken wir oft, wir müssten wissend sein. Dieses Wissen hat uns aber bisher keine Freiheit und keine Weisheit gebracht. Der Wegfall einer Frage ist besser als die beste Antwort. Wenn wir weise sind, wenn wir weise werden, dann kommen nicht mehr Antworten als vorher, sondern weniger. Es kommen weniger Antworten, weil Weisheit damit einhergeht, dass die Fragen wegfallen. Das bedeutet nicht, dass deine Fähigkeit, dir Gedanken zu machen, wegfällt, sondern die Fragen selbst fallen weg. Menschen, die viele Fragen beantworten können, sind nicht unbedingt weise. Viele von ihnen sind wissend. Und das ist oft das Gegenteil von weise, denn sie bilden sich etwas auf ihr Wissen ein. Weisheit kannst du nicht besitzen. Sie gehört dir nicht. Du kannst Weisheit nicht für dich beanspruchen, weil Weisheit dein Ego umgeht. Nur bei Wissen kannst du dir einbilden, dass es um dich geht, dass du es bist, dass du dieses Wissen besitzt. Aber sobald du mit Weisheit auf Wissen schaust, merkst du, dass auch das eine Falle war. Du hast dich mit etwas identifiziert, was nicht du bist und was auch nicht von dir kommt. Wenn die Fragen wegfallen, kommt Weisheit. Und wenn Weisheit kommt, fallen die Fragen weg. Und sobald du versuchst, das zu tun, das zu forcieren, geht es schief, muss es schiefgehen. Denn in dem Moment, in dem du versuchst, etwas zu erreichen, kannst du nicht mehr in den Raum der Weisheit eintauchen, weil dein Ego damit beschäftigt ist, es zu erreichen. Dein Ego hat dort aber keinen Zutritt. Wenn du es trotzdem versuchst und forcierst, wird etwas sehr Seltsames daraus. Etwas, das für niemand angenehm ist. Weisheit ist nicht der Besitz der besten Antworten. Weisheit ist der Wegfall der schlechten Fragen. Und wenn die Fragen wegfallen, sind die Antworten bereits da. Die schlechtesten Fragen sind diejenigen, die dich ins Leid ziehen. Und die besten Antworten sind die Antworten, die dich aus dem Leid herausbringen.