Es geht bei der Konzentration auf die Körperempfindungen um die Fähigkeit, den Fokus deiner Aufmerksamkeit zu steuern. Deine Gefühle als Körperempfindung zu lokalisieren und wahrzunehmen ist keine Aufgabe, die du erledigen und dann abhaken kannst. Es ist vielmehr eine konstante Übung, deinen Fokus zu steuern und deine Aufmerksamkeit von den Gedanken abzuziehen. Es ist etwas, das die wenigsten konstant machen. Viele entwickeln einfach nur ein neues spirituelles Mindset und beschäftigen sich dann mit sogenannten spirituellen Gedanken statt mit weltlichen, denken sie. Die spirituellen Gedanken sind aber genauso weltlich wie die weltlichen Gedanken. Der Verstand ist die Welt und Spiritualität ist jenseits davon. So habe ich Spiritualität kennengelernt und erfahren von meinem Lehrer Soham. Umso erstaunter war ich, als ich mal bei einem spirituellen Festival gesehen habe, dass die Räume oder die Bereiche des Festivals unterteilt waren und ein Bereich hieß ‘No Mind’, also ‘Kein Verstand’. Und ich war total verwirrt, denn ich dachte, auf einem spirituellen Festival geht es nur darum, aber ganz offensichtlich nicht, denn es gab auch andere Räume. Deren Namen weiß ich gar nicht mehr. Aber ich konnte nicht verstehen, dass Spiritualität etwas anderes sein sollte, und ich habe es auch bis heute nicht anders erlebt. Für mich ist es bis heute befremdlich, mich mit spirituellen Gedanken zu befassen oder überhaupt mit Gedanken zu befassen. Das bedeutet nicht, dass ich keine Gedanken mehr habe, aber es bedeutet, dass ich ihnen so wenig Aufmerksamkeit und Bedeutung gebe wie möglich. Und dieses ‘wie möglich’ ist natürlich relativ, mal ist es mehr und mal ist es weniger. Soweit wie sich die Spiritualität für mich erschlossen hat bisher, geht es auch nicht um die Gefühle und auch nicht um die Körperempfindungen, sondern es geht darum, dass du deine Aufmerksamkeit von den Gedanken abziehst und dass du diese Fähigkeit übst, man könnte auch sagen trainierst. Das bedeutet also nicht, dass die Körperempfindungen der Kern der Spiritualität sind, sondern sie sind ein Hilfsmittel, um aus den Gedanken entweder ganz rauszukommen oder sie nicht mehr so wichtig zu nehmen. Alles ist also nur Mittel zum Zweck, genau wie Meditation auch. Es ist nicht das Ziel. Das Ziel steht hinter dem Mittel. Und es ist etwas, das sich durch deine Praxis automatisch ergibt. Und die Theorie, also zu wissen, wie es gehen könnte oder würde, bringt dir dabei überhaupt nichts.