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    5.4.2022AQ 1593
    »Niemand kann dich beleidigen.«
    0:005:49
    Niemand kann dich beleidigen. Jeder kann sich nur offenbaren. Und jeder offenbart dir den verletzten Teil in sich. Es fühlt sich für uns wie eine Beleidigung, eine Herabwürdigung, eine Erniedrigung an. Doch was der andere tut, wenn wir uns so fühlen, entspringt nicht seiner Macht, sondern seiner Ohnmacht. Und da wir alle von ohnmächtigen Müttern und Vätern erzogen wurden, die uns als Kinder mächtig erschienen, weil wir kleiner waren und nur deshalb weniger mächtig und diese Eltern ihre Ohnmacht durch ihre Größe, durch ihre körperliche Größe und ihre körperliche Überlegenheit an uns ausgelebt haben, fühlt es sich für uns nach wie vor ohnmächtig an. Und wir haben den Eindruck, als wären diejenigen, die uns herabsetzen, mächtiger als wir. Ein Mensch, der sich nicht ohnmächtig fühlt, sondern wirklich mächtig, braucht niemand herabsetzen, braucht niemand beleidigen. Die vorhandene Macht verunmöglicht die Herabsetzung anderer. Echte Macht macht Machtspiele vollkommen überflüssig. Da niemand von uns wahre Macht kennengelernt hat, konnten wir auch nicht lernen, was wahre Macht ist. Wir konnten sie nicht imitieren, wir konnten sie nicht nachahmen, wir hatten keine Vorbilder. Wir hatten nur ohnmächtige Vorbilder. Deshalb können die meisten von uns mit dem Begriff der Macht auch gar nichts anfangen. Sie haben nur negative Assoziationen damit. Einige wollen sich ihre Macht zurückholen oder sie versprechen anderen, dass sie ihre Macht zurückholen können, wenn sie ihre Anleitung befolgen. Diese Selbstermächtigung wird dann oft mit großem Druck verfolgt und gefordert. Dabei braucht man gar keinen Druck. Macht ist sehr sanft, wenn auch beständig. Wir üben also mit unserer Vorstellung von Macht, Macht zu erreichen. Diese Vorstellung ist aber das Gegenteil von Macht. Nur Ohnmacht arbeitet mit Stress. Wahre Macht ist vollkommen stressfrei.