Mentale Fragilität beruht auf emotionaler Fragilität. Oder anders gesagt, es gibt keine mentale Fragilität. Es ist immer unsere Unfähigkeit, unsere Gefühle als Körperempfindungen wahrzunehmen. Stattdessen versuchen wir darüber nachzudenken. Wir flüchten uns aus Angst vor unseren Körperempfindungen in unsere Gedanken. Diese Angst ist unbewusst. Und es ist auch mehr eine Programmierung, ein automatisches Programm, das dazu führt, dass wir versuchen, die Körperempfindungen durch Gedanken zu verdrängen. Diese Gedanken sind aber selten entspannend, sondern meist mit großem Stress verbunden und sie lösen vor allem weitere Gedanken aus, die dann wieder Stress verursachen. Und so erscheint es dann, als wären wir mental nicht stabil, weil wir dann ganz viel denken und weil wir viele verrückte oder wirre oder angstmachende Gedanken haben. Und dann bezeichnen wir uns selbst als mental instabil. Und wenn wir es nicht tun, tun es andere für uns. Der schlechte Witz daran ist, dass diese Diagnose überhaupt keinen Wert hat. Sie hat eher den Charakter eines Vorwurfs und sie gibt uns überhaupt keinen Schlüssel mit der Diagnose umzugehen. Wir fühlen uns dann vielleicht sogar abhängig von denjenigen, die uns diagnostiziert haben, ganz egal, wer das ist. Denn die wissen es ja besser, die wissen so gut, was mit uns los ist. Dabei ist mit uns nur das los, was mit allen Menschen los ist. Es ist nur so, dass es verschiedene Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen haben und bei manchen ist das so intensiv, dass es ihnen selbst und auch den anderen auffällt. An sich ist das eine sehr gute Voraussetzung, denn du kannst nur das heilen und in dir beobachten, was dir auffällt. Wenn es dir nicht auffällt, tust du so, als wäre es gar nicht da. Denn du weißt ja gar nicht, dass es da ist. Das heißt, diejenigen, die nur ganz leicht traumatisiert sind, haben den Nachteil, dass sie es nicht merken und dass sie sich über andere erheben und sagen: »Ha, ich habe keine Probleme. Ich kenne das überhaupt nicht.« Viele Menschen sind deshalb, weil sie überhaupt nicht bei sich schauen, sehr anfällig für Hypnose jeglicher Art, vor allem für Hypnose durch Propaganda. Auch die ist nämlich verhältnismäßig subtil, sodass sie einem gar nicht so leicht auffallen kann. Diejenigen, die mental fragil sind, können das sehen, denen fällt das auf und die neigen dazu, an der Welt zu verzweifeln. Was sehr schade ist, denn ihre Diagnose ist tatsächlich ihre Stärke.