Immer wenn Gebäude farbig angestrahlt werden, weißt du, dass es um etwas anderes geht. Das gilt vollkommen unabhängig vom Thema und auch vollkommen unabhängig von deiner Einstellung dazu. Denn alles, was echt ist, findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Gruppendynamik, die wir uns wünschen, ist nicht echt, die kann nicht echt sein, weil jeder Mensch an einem anderen Punkt in seinem Leben steht. Und in seiner Entwicklung. Und selbst wenn die nach außen sichtbare Handlung oder das Ergebnis dieser Handlung einheitlich ist, liegt das überhaupt nicht an einheitlichen inneren Zuständen. Menschen haben alle möglichen und auch alle unmöglichen Gründe für das, was sie außen zeigen, was sie von sich preisgeben und was sie sichtbar machen. Genauso verbergen sie auch einen Teil. Und um diesen verborgenen Teil geht es für jeden einzelnen. Das, was man den anderen nicht zeigen will, will man auch selbst nicht sehen. Es ist einem peinlich oder es ist sehr schmerzhaft. Und deshalb hat es überhaupt nichts zu bedeuten, wenn sich die Masse der Menschen für eine bestimmte Richtung entscheidet. Es sagt nichts über ihr Inneres aus. Und es sagt auch überhaupt nichts darüber aus, ob sie das, was sie da nach außen präsentieren, auch wirklich so meinen. Oder ob sie es nur deshalb machen, weil es andere auch machen oder weil sie sich unter Druck fühlen oder weil sie nicht die Letzten sein wollen. Und es kommt noch etwas anderes dazu. Fast jeder kennt das berühmte Zitat »Sei du selbst die Veränderung, die du dir in der Welt wünscht.« Und obwohl wir das kennen, machen wir es nicht, denn Demonstrieren oder Gebäude-Anstrahlen ist keine Veränderung. Ich kann das sagen, denn ich habe beim Beginn des Irak-Krieges auch eine Pace-Fahne auf meinem Balkon aufgehangen. Und ich weiß, dass das bei mir keine innere Veränderung ausgelöst hat. Natürlich finde ich Krieg nicht toll. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass das, was die spirituellen Lehrer sagen, vollkommen stimmt. Und zwar nicht im Sinne von ja, das kann man auch machen und dann muss man aber aktiv werden oder eine Fahne raushängen oder demonstrieren und Gebäude anstrahlen, sondern wirklich in dem Sinn, dass es nichts anderes braucht als meine innere Veränderung. Denn dann verstehe ich, dass ich nur dort Gutes tun kann, wo ich gerade bin. Dort, wo ich nicht bin, kann ich nicht helfen. Und es hat auch keinen großen Wert, wenn ich aus Schuldgefühlen helfe oder aufgrund meines Mitleidens. Dieses Mitleiden hat einen Grund in mir, den muss ich zuerst finden. Denn Leid verbessert die Situation nicht. Ganz im Gegenteil. Seltsamerweise können sich selbst Menschen, die sagen, dass sie spirituell unterwegs sind, das nicht vorstellen. Dass ihre innere Veränderung eine so viel größere Veränderung ist als das, was sie in der Welt bewerkstelligen können. Ich sage dir: Außer deiner inneren Veränderung gibt es gar keine andere. Mir ist klar, dass sich das für deinen Verstand wild und verrückt und ignorant, egoistisch und was es sonst noch für Worte dafür gibt anhören kann. Und deshalb kann ich dir zusätzlich sagen: Das ist nicht der Fall. Es ist vollkommen anders, als es sich dein Verstand vorstellt. Es ist nicht zu beschreiben und du kannst es auch nicht planen. Das heißt, du kannst deiner inneren Veränderung nicht die Richtung vorgeben. Du musst bereit sein für alles. Plakativ ausgedrückt: Wenn du ein Linker warst, kann es sein, dass du ein Rechter wirst. Und wenn du ein Rechter warst, kann es sein, dass du ein Linker wirst. Tatsächlich ordnest du dich in diese Kategorien dann überhaupt nicht mehr ein. Deine Meinung ist gar nicht mehr so wichtig. Und du bist auch dann bereit zu helfen, wenn es um Menschen im eigenen Land geht, oder sogar dann, wenn es überhaupt gar keine Katastrophe gibt.