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    2.3.2022AQ 1559
    »Ich schreibe nicht für Zuspruch oder Widerspruch.«
    0:009:50
    Ich schreibe nicht für Zuspruch oder Widerspruch. Ich schreibe, damit es wirkt. Spiritualität findet jenseits deiner Meinung statt. Wenn dir klar geworden ist, dass der spirituelle Weg der einzig relevante Weg ist, dann hilft es dir nicht und steht dir sogar im Weg, wenn du an deiner Meinung festhältst. Es hilft auch nicht, wenn du die Aussagen der Lehrer vergleichst — weder mit den Aussagen anderer Lehrer noch mit deinem eigenen Leben. Es hat keinen Wert, es hilft dir nicht, es bringt dich nicht weiter. Und das liegt nicht daran, dass man einem Lehrer nicht widersprechen darf, sondern es liegt daran, dass es bei dir einen Unterschied macht, ob du etwas widerspruchsfrei aufnimmst, in dich hineinfließen lassen kannst, oder ob du, wenn du etwas liest oder hörst, sofort darüber nachdenkst, vergleichst, Parallelen ziehst, Widersprüche findest und die Aussage, das, was du gehört hast, was du gelesen hast, sofort einordnest als richtig und falsch. Es ist sogar so, dass nur derjenige dein Lehrer sein kann, bei dem das in dir nicht mehr stattfindet. Das ist also ein gutes Zeichen. Du kannst es daran erkennen, dass du deinen Lehrer getroffen hast, wenn du nicht mehr widersprechen willst. Und das gilt sogar für Bestätigung. Du hast auch dann deinen Lehrer getroffen, wenn du nicht sofort bestätigen willst und sagen willst: »Ja genau, so ist es!« Auch dann, selbst bei Zustimmung, kommt eine Blockade. Diese Blockade verhindert, dass du das, was gesagt wurde, tiefer wirken lässt, denn es geht nicht um die Worte. Die Worte sind an der Oberfläche. Das, was wirkt, ist darunter. Die Worte können ganz schnell und ganz leicht in deinem Kopf wirken und einen Eindruck auf deinen Verstand und auf deine Programmierung machen. Das, was unter den Worten liegt und was eigentlich wirken sollte, macht gar keinen Eindruck auf deinen Verstand. Er kriegt diesen Teil noch nicht einmal mit. Er weiß gar nicht, dass da gerade etwas passiert ist oder passieren könnte, was jenseits von ihm liegt. Ich hatte das große Glück, dass es mir so ging, als ich meinen Lehrer getroffen habe. Ich wollte ihm nicht mehr widersprechen. Ich konnte ihm gar nicht widersprechen. Und das, obwohl ich einer war, der extrem viel Wert auf seine Meinung und sein Wissen gelegt hat. Es war mir im Angesicht und in der Präsenz von Soham nicht mehr möglich. Das habe ich aber nicht als Problem wahrgenommen, sondern das war der entscheidende Unterschied und das entscheidende Erleben. Der erste Mensch, bei dem es mir nicht um meine Meinung geht, weil sie irrelevant ist und weil ich in der Präsenz dieses Menschen sehr klein bin. Denn dieses Ich ist mein Verstand. Das bin nicht ich. Und dieses Ich, dieser Verstand, der gerne widersprechen würde, war einfach nicht mehr da. Ich wollte und konnte Soham von Anfang an nicht kritisieren. Ich habe ihn als perfekten Menschen gesehen. Und das, obwohl er selbst nicht behauptet hat, perfekt zu sein und mir auch klar ist, dass es sein kann, dass er menschliche Fehler hat. Aber im Vergleich zu dem, was ich bei ihm erlebt habe, sind die alle absolut irrelevant. Da ich mich vorher, bevor ich Soham getroffen habe, nicht sehr intensiv mit Spiritualität beschäftigt habe und praktisch keine Ahnung hatte, wusste ich nicht, was damals passiert ist. Ich habe es nur erlebt. Ich hatte dafür keine Worte. Es war in dem Sinn auch nicht spektakulär, sondern einfach friedlich. Und mir war klar, dass ich diesen Frieden kultivieren muss. Allerdings nicht dadurch, dass ich immer, wenn ich nicht in Frieden bin, in den Frieden gehe und versuche, künstlich Frieden herzustellen, sondern indem ich bereit bin, auch den Krieg in mir zu fühlen. Dieses Abenteuer dauert bis heute an und es hat alles verändert in meinem Leben. Es gibt deshalb nichts, was ich dir so sehr empfehlen kann, wie deine Gefühle im Körper zu fühlen. Es bringt dich in den Zustand, für den ich schreibe.