Erwachsensein ist eine Fassade. Erwachsene leben in der Fantasie von Erwachsensein. Wir alle wurden nicht erwachsen. Wir sind nicht erwachsen. Wir haben einen Prozess erfahren, der in der Gesellschaft Pubertät genannt wird und in diesem Prozess wurden wir zum zweiten Mal in unserem Leben gebrochen. Das erste Mal war als Baby, Kleinkind, als wir zum ersten Mal sozialisiert wurden. Diese Phase ist im Alter 6, 7 Jahre so was wahrscheinlich abgeschlossen. Und dann haben wir vergessen, wer wir sind und irgendwann erinnern wir uns. Wir erinnern uns an das, was uns als unser Wille ausgelegt wird. Das wird falsch bezeichnet und falsch beschrieben. Das ist nicht unser Wille, das ist unser Navigationssystem. Und natürlich wirkt es mitunter unbeholfen, dieses Navigationssystem wiederentdecken zu wollen, denn es wurde uns ja ausgeredet. Und wir wissen eben nicht mehr so genau, wie dieses Navigationssystem funktioniert. Und deshalb müssen wir es vielleicht auch, zumindest der eine oder andere, auf sehr seltsame oder auch krasse Art und Weise testen, ob es noch funktioniert. Die Jugendlichen sind dabei auch deshalb unbeholfen, weil sie ja von den sogenannten Erwachsenen keine Unterstützung bekommen, sondern im Gegenteil. Die Erwachsenen versuchen ihr Werk zu vollenden. Und dieses Werk besteht darin, andere Menschen, ihre eigenen Kinder gleich zu machen, ihre Kinder an sich selbst anzupassen. Und jedes Kind, das davon abweicht von diesem sogenannten Erwachsenen, wird in die sogenannte Kategorie Erwachsensein zurückgeholt. Diese Kategorie, die als erwachsen sein bezeichnet wird, ist aber keine beziehungsweise sie bezeichnet etwas ganz anderes. Sie bezeichnet, dass du den Kontakt zu dir selbst verloren hast. Und obwohl die Erwachsenen selbst darunter leiden, sind sie gleichzeitig auch vollkommen unbeholfen, weil sie gar nicht wissen, in welchem Zustand sie sich befinden. Und statt innezuhalten und ihre Situation zu reflektieren, sich ihrer selbst bewusst zu werden, gehen sie den scheinbar einfacheren Weg. Und der ist, andere an ihre eigenen schlimmen und schmerzhaften Umstände anzupassen. Alle Attribute des sogenannten Erwachsenseins existieren nur in der Fantasie. Nichts davon ist echt. Egal, was sich die Erwachsenen selbst sagen, woran sie ihr Erwachsensein festmachen, all das kennen sie nicht wirklich. Es ist alles rein theoretisch. Es ist programmiert. Es sind auswendig gelernte Floskeln, die sie mitunter sogar gebetsmühlenartig wiederholen. Eines der Lieblingswörter ist Verantwortung. Und all diese Floskeln verwenden sie zur Begründung und Rechtfertigung ihrer eigenen Abstumpfung. Sie wollen und können unter keinen Umständen wahrhaben, dass sie von sich selbst meilenweit entfernt sind und deshalb überhaupt nicht davon sprechen können, dass sie auf irgendeine Art erwachsen wären. Erwachsensein ist die Definition von 'von sich getrennt sein’. Es ist die letzte Stufe der Abkopplung von dir selbst. Und es gibt keine Möglichkeit, dich selbst wiederzufinden, ohne das zu erkennen, ohne diesen schmerzhaften Prozess zu durchlaufen, dass alles, was dir andere über das Leben erzählt haben, eine Lüge war. Eine Lüge, die du dir seitdem, also seit du erwachsen bist, selbstständig erzählst. Sobald diese Lüge nicht mehr von anderen erzählt werden muss und du sie selbst aufrechterhältst, bist du erwachsen.